66 Kilometer entlang der Schlei – Unterwegs im Campervan

Gastbloggerin entdeckt die Schlei-Region
Stand Up Paddling in Maasholm © Kati Vollmers / TA.SH

Stand Up Paddling in Maasholm © Kati Vollmers / TA.SH

66 Kilometer klingen kurz, wenn ich bedenke, dass ich diese innerhalb einer Stunde auf der Autobahn zurücklegen könnte. Entlang des Ostseefjords Schlei stehen sie für ein ganzes Wochenende voller Ruhe, Gelassenheit und Abwechslung mit tollen Orten, guter Küche, reichlich Wasser und noch mehr Booten. An der Surfschule Maasholm, kurz vor der Mündung in die Ostsee, starten wir die Reise bis nach Schleswig mit einer Runde Stand Up Paddling. Wir trauen uns trotz grauer Wolken aufs Wasser, nachdem ich dem Surflehrer begeistert erzähle, noch nie reingefallen zu sein. Ich rechne nur nicht damit, dass uns zehn Minuten später ein riesiger Regenschauer durchtränkt. Kichernd stehen wir auf unseren Boards. „Das ist sooo typisch!“, ruft meine Schwester mir zu. Zum Glück verzieht sich der Regen so schnell wie er gekommen ist und die Sonne trocknet uns binnen kürzester Zeit.

Zu Gast im Restaurant Cameo in Kappeln © Kati Vollmers / TA.SH

Zu Gast im Restaurant Cameo in Kappeln © Kati Vollmers / TA.SH

Nach absolviertem Morgen-Workout mit dem Board erkunden wir den Wohnmobil-Stellplatz und das Örtchen auf dem kleinen Spazierweg entlang des Wassers und verweilen an den Liegeplätzen für Maasholmer Bootseigner. Es wirkt fast als ob die Jolle „Lüdde“ nur auf mich gewartet hat. Zu gerne würde ich das Boot kapern und hinaus zu den anderen Seglern in der Bucht schippern, jedoch treiben uns unsere Mägen Richtung Kappeln, wo wir von der Terrasse des Cameo Restaurants die Aussicht auf die Klappbrücke genießen, während wir den Hunger mit einem Dorschfilet auf Senfsoße stillen. Lecker!

Mit dem Camper auf der Fähre von Arnis nach Lindaunis © Kati Vollmers / TA.SH

Mit dem Camper auf der Fähre von Sundsacker nach Arnis © Kati Vollmers / TA.SH

Wir schlendern entlang der Promenade bis zum Wohnmobil-Stellplatz am Wasser, auf dem bootsbegeisterte Mobilisten den ganzen Tag Schiffe bestaunen können. Von Kappeln führt unser Weg nach Sundsacker, da wir nun selber Lust bekommen haben, in See zu stechen. Unsere Bootstour dauert zwar nur zwei Minuten mit der Schleifähre zum anderen Ufer nach Arnis, dafür dürfen wir uns umso schneller vom Coffeetruck „Freies Arnis“ mit Kuchen, Kaffee und Limo verwöhnen lassen und das Treiben am kleinen Hafen beobachten. Mein persönlicher Lieblingsabschnitt mit dem Campervan folgt von Arnis nach Lindaunis, wo die Straße ganz nah an der Schlei entlang führt. Immer wieder entdecke ich weiße Segel, die über das Wasser gleiten, bis wir zur alten einspurigen Klappbrücke kommen, vor deren Schranke wir warten, während der Gegenverkehr sowie ein Zug die Brücke passieren. Gemütlich rollen wir einige Augenblicke später über die mit Schienen versehene Spur und setzen unseren Weg nach Missunde fort.

Entspannung auf dem Naturcampingplatz Hellör © Kati Vollmers / TA.SH

Entspannung auf dem Naturcampingplatz Hellör © Kati Vollmers / TA.SH

Entspannt genieße ich den Ausblick und schlängle mich die kleine Straße Richtung Fähre hinunter, welche uns sicher zurück auf die Westseite der Schlei bringt. Ich werde für eine Sekunde nervös, als Cream, mein 30 Jahre alter VW Bus, nicht auf Anhieb startet, um von der Fähre zu rollen. Einige Kilometer weiter befindet sich der Naturcampingplatz Hellör, auf dem wir die Nacht verbringen. Die Besitzerin versprüht bei unserer Ankunft unbegrenzte Gelassenheit, die sich direkt auf uns überträgt. Fröhlich radelt sie voraus, um uns unser Plätzchen zwischen Bäumen, Kuhwiese und Schlei zu zeigen. Der Campingplatz liegt idyllisch auf einem kleinen Hügel, sodass fast jeder Urlauber Wasserblick genießen darf. Am Abend machen wir es uns mit einer Decke und dem Abendessen bei Blick auf den dazugehörigen Bootssteg am kleinen Strand bequem. Es ist so ruhig, dass wir vorbeifahrende Boote bereits erahnen können, bevor sie zwischen dem Schilf auftauchen.

Kindheitserinnerungen beim Minigolfspielen in Schleswig © Kati Vollmers / TA.SH

Kindheitserinnerungen beim Minigolfspielen in Schleswig © Kati Vollmers / TA.SH

Regenprasseln auf dem Dach des Busses weckt uns am nächsten Morgen. Ich liebe dieses Geräusch, da es mich direkt in meine Kindheit auf Fehmarn entführt. Heute könnte es nicht passender sein, da meine Schwester und ich am Nachmittag die Kindheit bei einer Partie Minigolf aufleben lassen wollen. Doch zunächst werden wir bei Kaffee und Marmeladenbrot munter und ich checke per Geocaching App die digitalen Schnitzeljagd Möglichkeiten in der Umgebung. Auf der Rückfahrt durch Brodersby regnet es jedoch in Strömen, sodass unsere Geocaching Runde leider entfallen muss. Wir nutzen den Schauer, um direkt nach Schleswig zu fahren und die ehemalige Fischersiedlung Holm zu entdecken. Holm bedeutet „von Wasser umgeben“ und ist darauf zurückzuführen, dass dieser Stadtteil einst eine Insel war, die durch Verlandung zu Festland geworden ist. Kleine Fischerhäuschen umkreisen einen Friedhof und viele der Türen sind mit maritimen Intarsien verziert. Am Nachmittag liefern wir uns einen harten Kampf beim Minigolf an der Stampfmühle, bei dem meine Schwester als Gewinnerin hervorgeht. Die Bahnen sind zwar in die Jahre gekommen, dennoch macht es Spaß auf dem eingewachsenen Platz, auf dem es herrlich nach Waffeln vom Minigolf-Café duftet, ein paar Bälle zu schlagen. Per QR Code kann man sogar den perfekten Schlag für jede Bahn auf dem Handy aufrufen.

Ausblick vom Restaurant Wikingturm in Schleswig  © Kati Vollmers / TA.SH

Wehmütiger Ausblick auf die Schlei: Noch einmal bitte! © Kati Vollmers / TA.SH

Zum Abschluss unserer Tour genießen wir bei Eis und Pfannkuchen die Aussicht vom Restaurant bzw. Cafe des Wikingturms. Aus dem 26. Stock schauen wir noch einmal die Schlei hinauf, von wo wir gekommen sind und würden am liebsten sofort erneut hinauffahren.

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