Altes Eisen in neuem Licht

erkundet das wieder eröffnete Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf

Eisen. Kunst. Guss. Ich überlege, ob und wann ich mit diesem Begriff schon mal in Berührung gekommen bin. Ich erinnere mich an die Pförtchenpfanne meiner Großmutter, die aus Gusseisen hergestellt ist. Findet das „alte Eisen“ auch heute noch in meinem Alltag Verwendung?, frage ich mich. Das will ich mit Katrin Krumpholz, unserer Kulturmanagerin, herausfinden. Denn heute besuchen wir das Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf, das kürzlich saniert wurde.

Eine Büste von Käte Ahlmann begrüßt die Besucher im Eisenkunstgussmuseum.

Eine Büste von Käte Ahlmann begrüßt die Besucher im Eisenkunstgussmuseum. © TA.SH

Der Flachdachbau hat außen seinen 1960er Jahre Charme behalten. Innen aber wartet auf die Besucher eine neuinszenierte Ausstellung. Durch die Glasfassade des Eingangs sehe ich ein rotes Licht. Ich bin neugierig und betrete das Gebäude. Das rote Licht kommt von mehreren Röhrenlampen, die den Besucher an Boden, Wand und Decke in den ersten Ausstellungsraum führen. Am liebsten würde ich das Rot anfassen und frage mich, was dieser Lichterteppich wohl bedeuten mag.

Im ersten Ausstellungsraum des Eisenkunstgussmuseums können Besucher Wassereis, Schokobons und Blei ertasten.

Im ersten Ausstellungsraum des Eisenkunstgussmuseums können Besucher Wassereis, Schokobons und Blei ertasten. © TA.SH

„Auf diese Art stellen wir das flüssige heiße Eisen dar“, begrüßt uns Frank Zarp, Pressesprecher der Landesmuseen Schloss Gottorf. „Gusseisen herzustellen ist ein hoch komplizierter Prozess: Es ist zwar gießfähig, wird aber schneller spröde als normales Eisen.“ Um ein Gefühl für das Material zu bekommen, präsentiert das Museum vier Behälter. Darin: Wassereis, Schokobons, Blei und Eisen. Die vier Stoffe stehen für die verschiedenen Schmelztemperaturen. Ich berühre und ertaste jeden einzelnen Stoff. So fühlt sich also geschmolzenes Eisen an.

Wie aufwändig es ist, etwas Haltbares aus dem spröden Material zu gießen, erfahren wir eine Station weiter im Museumskino. Der Film erklärt, wie noch bis in die 1970er Jahre ein Tisch hergestellt wurde. Ein Gegenstand, den man aber heute noch als Gartenmöbel kaufen kann.

Mein Lieblingsstück im Eisenkunstgussmuseum: ein Collier aus Gusseisen.

Mein Lieblingsstück im Eisenkunstgussmuseum: ein Collier aus Gusseisen. © TA.SH

Gusseisene Schmuckstücke, Ohrringe, Armbänder und Ketten aus der Sammlung Käte Ahlmanns.

Gusseisene Schmuckstücke, Ohrringe, Armbänder und Ketten aus der Sammlung Käte Ahlmanns. © TA.SH

Nicht nur für massivere Gegenstände kam dieses Verfahren zum Einsatz. Auch filigrane Schmuckstücke wurden aus Gusseisen gefertigt! Ich staune: Ohrringe, Broschen, Gürtelschnallen und ein detailliert gearbeitetes Collier. Ich stehe vor einer ungewöhnlichen Glasvitrinen-Installation, als Frank Zarp mir den Tipp gibt, „meinen Kompagnon“ zu benutzen: Den digitalen Begleiter in Form eines Tablets erhalten Besucher an der Museumskasse mit der Eintrittskarte. Kompagnon nannten sich die Eisengießer früher untereinander. Heute erhalten Besucher damit zusätzliche Informationen zu den einzelnen Ausstellungsräumen in den Sprachen Deutsch, Englisch und Dänisch.

Ich erfahre, dass Gold zu Zeiten der Befreiungskriege gegen Wertpapiere eingetauscht wurde. Prinzessin Marianne von Preußen forderte die Frauen auf, ihren Goldschmuck gegen Eisenschmuck abzugeben. „Fer de Berlin“ wurde der Schmuck seitdem genannt. Auf dem Tablet starte ich einen Film zum „Berliner Eisen“. Automatisch dämmt sich das Licht und ich lausche erwartungsvoll der Stimme. „Guck mal, Kathleen! Der Film wird auf den Glaskuben abgespielt!“, ruft Katrin mir begeistert zu. „Das ist ja toll gemacht!“

Moderne Darstellung von gusseisernen Schmuck.  © TA.SH

Moderne Darstellung von gusseisernen Schmuck. © TA.SH

Dem stimme ich voll und ganz zu. „Moderne Szenografie und Medientechnik rücken das ‚alte Eisen‘ in neues Licht“, heißt es im Museumsflyer. Genauso hat es sich Käte Ahlmann gewünscht – ein modernes Museum zu schaffen, in dem ihre Sammlung für ein breites Publikum ausgestellt wird. Die ehemalige Geschäftsführerin der Carlshütte war leidenschaftliche Sammlerin von Eisenkunstgusswerken.

Eisenkunstguss par excellence: Büsten berühmter Persönlichkeiten und Neujahrsplaketten.

Eisenkunstguss par excellence: Büsten berühmter Persönlichkeiten und Neujahrsplaketten. © TA.SH

Rund 300 Exponate umfasst die Ausstellung, darunter antike Brandteller, Gussöfen, Reliefplatten und Büsten von berühmten Persönlichkeiten. Und einige Hirschskulpturen. Als Trophäen der Jagd und als Statussymbol waren diese Skulpturen im 19. Jahrhundert sehr beliebt. In den hellen Räumen kommen die Ausstellungsstücke toll zur Geltung. Das dunkle Schwarzgrau der Exponate, das leuchtende Rot der Lichtinstallation und das Weiß der Räume harmonieren gut miteinander.

Wer wie ich mehr über die Geschichte des Eisenkunstgusses oder einzelne Objekte wissen will, findet weitere Infos im Kompagnon. Ob 20 Minuten oder zwei Stunden, via Tablet erkundet jeder Besucher auf eigene Faust die Geschichte des Museums und seine Objekte.

Beeindruckend: die fein gearbeiteten Reliefplatten, die als Neujahrsgrüße von preußischen Eisengießereien verschickt wurden.

Beeindruckend: die fein gearbeiteten Reliefplatten, die als Neujahrsgrüße von preußischen Eisengießereien verschickt wurden. © TA.SH

Ich habe durch den Kompagnon gelernt, dass das Gusseisen in der modernen Industrie keine Rolle mehr spielt, doch im Alltag noch nicht ganz verschwunden ist. Genutzt wird Gusseisen in Form von Kanaldeckeln oder Pfannen in der gehobenen Küche. Ob aufwändig verzierte Gartentische, filigrane Schmuckstücke oder „Pförtchengusseisen“, die Faszination am „alten“ Eisen besteht bis heute. Für mich sind es kleine Kunstwerke, die alte Zeiten lebendig machen und dekorativ zugleich sind. Wie die Hirschtasse, die ich im Museumshop neben Flaschenöffnern, Schmuck und bedruckten Geschirrtüchern entdecke – und als Andenken mit nach Hause nehme.

Unser Restauranttipp: Lassen Sie Ihren Besuch in Carl’s Hütte bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen ausklingen.

Unser Tipp: Besucher der NordArt erhalten zwei Euro Ermäßigung (bei Vorlage eines gültigen Tickets).

 

 

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben