Der ältere Bruder des Panamakanals

unterwegs entlang des NOK

Berühmte Verwandte schmücken ungemein. Und unsere Familienbande reichen weit. Der Nord-Ostsee-Kanal, kurz NOK genannt, unser heutiger Tourauftakt, ist der ältere Bruder des Panamakanals und ein enger Verwandter des Suezkanals. Wer hätte das gedacht.

Die Konstruktion am Papiermodell erklärt

Die Konstruktion am Papiermodell erklärt. © TA.SH

Noch vor einer halben Stunde in Kiel schien mir die warme Abendsonne ins Gesicht. Windstille. Der Blick vom 8. Stock des ATLANTIC Hotels in Kiel auf das Wimmelbild der Kieler Förde ist grandios: Schiffe, Boote und Bötchen, Fähren, und stolze Großsegler. Es ist Kieler Woche und ich sitze mit Jörg Orlemann, dem Chef der IHK Kiel, hoch über der Stadt. “Das ist mein Lieblingsplatz, dieser Blick auf das Wasser mitten in der Stadt fasziniert mich.” Das kann ich gut verstehen. Die Dachterrasse ist ein Ort zum Staunen und Genießen. Perfekt geeignet für uns Neukieler. Das verbindet uns. Wir sind beide neu. Ich noch brandneu und mittendrin in den ersten 100 Tagen, Jörg hat seine gerade hinter sich. Hier plaudert es sich angenehm über Wirtschaft und Tourismus und wie man noch näher zusammenrücken könnte. Aber mein Rendezvous mit dem NOK mahnt mich zum Aufbruch.

Beeindruckende Stahlkonstruktion

Beeindruckende Stahlkonstruktion © TA.SH

Das weiche Licht des Sonnenuntergangs empfängt mich am Kanal-Café. Der NOK durchschneidet mit seinem blauen Band auf 99 Kilometern unser Land – von Brunsbüttel bis Kiel – und ist Sehnsuchtsort für alle Schiffsbegeisterten. Superlative gibt es viele, der NOK ist mit 40.000 Schiffen die meistbefahrene künstliche Wasserstrasse der Welt. Stars sind hier die 100 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr. Da gibt es richtig was zu sehen. Fast zum Anfassen nah fahren die dicken Pötte an uns vorbei.

Spätestens jetzt ist mir klar, warum der NOK-Radweg so beliebt ist. Es gibt eine Expressroute von 120 Kilometern, die man bequem in zwei Tagen schafft, und die entspannte Bummelroute von 325 Kilometern, die fünf Tage Breitbandblick auf den Kanal bietet. Fast immer in der ersten Reihe am Wasser entlang mit kleinen Abstechern ins Hinterland. Katharina Trabert, unsere Kulturvermarkterin, und Edwin Süselbeck, unser Radexperte, plauschen mit Monika Heise, die hier viele Hüte auf hat und Tourismusnetzwerke von Rendsburg über den NOK bis Mittelholstein knüpft und verantwortet. Mit Petra Radtke, die mit Urlaub auf dem Bauernhof über 300 Gastgeber unter ihrem Dach vereint, bilden wir eine gemütliche Abendrunde. Die Welt in Schleswig-Holstein ist klein und so gesellt sich auch noch Jochen von Allwörden zu uns, der eigentlich nur privat im Kanal-Café vorbeischaut. Als Vorstandsmitglied des Städteverbandes Schleswig-Holstein bringt uns das Thema Städte schnell zusammen.

Hans-Otto Kühl erklärt

Hans-Otto Kühl erklärt. © TA.SH

Aber die Hauptrolle dieses lauen Sommerabends spielt unser Kanalprofi und Hochbrückenführer Hans-Otto Kühl. Der scharrt schon mit den Füßen, da wir heute zur blauen Stunde noch auf die Hochbrücke klettern wollen. Das können übrigens alle Gäste jeden Sonntag von Mai bis September immer um 14 und 15 Uhr (Info). “Ich bin Maschinenbauer und lange zur See gefahren”, Hans-Otto Kühl sprudelt nur so vor Fachwissen. Also los! Mit Bauhelm und Warnweste ausgerüstet, steigen wir die 178 Stufen der Wendeltreppe zur Aussichtsplattform hoch. Das erinnert mich irgendwie an den Eiffelturm. Und unser Brückenexperte bestätigt mein Bauchgefühl, auf das fast immer Verlass ist. Die Hochbrücke ist eine Weiterentwicklung von keinem Geringeren als Gustave Eiffel, dem Begründer der Stahlkonstruktionen.

Oben auf 42 Metern angekommen, reicht unser Rundumblick von Horizont zu Horizont. Wir knipsen, was das Zeug hält. Die vorbeifahrenden Züge schütteln uns durch. Auch hier sind wir richtig nah dran.

In der Dämmerung wirken die Farben umso prächtiger

In der Dämmerung wirken die Farben umso prächtiger. © TA.SH

Das Besondere an unserer 100-jährigen Industrieschönheit mit der berühmten französischen Verwandten ist sicher die Schwebefähre, die im 15-Minuten-Takt über den Kanal pendelt. Und dahin sind wir jetzt auch unterwegs, da die LED-Beleuchtung sie jetzt richtig erstrahlen lässt. Das Licht kann man übrigens in seiner persönlichen Lieblingsfarbe an einem großen Rad einstellen und die Fähre “trägt” die Farbe dann mit auf die andere Seite. Was für eine tolle Idee und welch wunderbare Geschichten unser Land an nur einem Sommerabend zu erzählen hat! Ich bin gespannt auf morgen.

 

 

1 Antwort

  1. Ach, wie wunderschön ist Schleswig-Holstein! Dieser Blog bringt vieles in Erinnerung, was uns Schleswig-Holsteinern täglich so nah ist, was ganz und gar einzigartig ist, aber doch irgendwie in Vergessenheit geraten ist. Es ist so leicht, sich für dieses Land zu begeistern! Vielen Dank für die vielen Anregungen in diesem Blog!

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