Der lustige Seehund und die Modersohns

unterwegs im Gasthof ‚Zum lustigen Seehund‘

„Hier logierten die Modersohns – im Gasthof ‚Zum lustigen Seehund‘ – im Dörfchen Steenodde an der Wattseite”, plaudert in fachmännischem Inselführerton unser Kollege Frank Timpe, seines Zeichens Tourismuschef von Amrum, schon um 7 Uhr morgens. Wir haben noch ein bisserl Zeit bis zur Abfahrt der Fähre um 7.15 Uhr, die Frank entschlossen nutzt, uns weitere versteckte Sehenswürdigkeiten des Eilandes zu zeigen. Er kennt ja das folgende Tourprogramm. Denn gleich schippern wir nach Föhr und erkunden das Museum Kunst der Westküste, leuchtendes Kunstmekka über unsere Grenzen hinaus.

Die Chefin selbst führt uns durch "ihr" Museum Kunst der Westküste

Die Chefin selbst führt uns durch “ihr” Museum Kunst der Westküste. © TA.SH

Vor genau 111 Jahren und 29 Tagen reiste Paula Modersohn-Becker, eine der bedeutendsten Malerinnen des frühen Expressionismus, mit ihrem Künstlergatten Otto Modersohn und dessen Töchterchen Elsbeth zur Sommerfrische nach Amrum: Die berühmte Amrum-Reise vom 9. Juli bis 5. August 1903. Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen, seit etwas über einem Jahr Museumsdirektorin auf Föhr, gefällt mir mit ihrer ruhigen Art und ihren lachenden Augen sofort. Wir treffen uns mit meinem lieben Kollegen, Armin Korok, der den Tourismus der friesischen Karibik großartig verantwortet, drei seiner Bürgermeister, PR- und Marketingfrau Christiane Morsbach und unserer Gastgeberin zu einem ausgiebigen Frühstück in „Grethjens Gasthof“. Auf den historischen Mauern des Dorfwirtshauses wurde das strahlendweisse Herzstück des Ensembles aus sechs verschiedenen Gebäuden vom renommierten Architekturbüro Sunder-Plassmann mehr komponiert als erbaut. „Ich bin die einzige habilitierte Gastwirtin in Schleswig-Holstein“, scherzt die Kunstexpertin Wolff-Thomsen. Ein Gartenlokal, das Restaurant und der Saal sind der Magen des Museums. Mittendrin hängt das wunderbare Gemälde von Otto Heinrich Engel „Der Kindergeburtstag“, der hier wirklich gefeiert wurde. Damals gab es übrigens für die Kleinen Himbeerlimonade mit einem Schuss Weißwein, so ist es jedenfalls überliefert.

Häkelkunst mal ganz anders: das "Föhr Reef"

Häkelkunst mal ganz anders: das “Föhr Reef” © TA.SH

2014 feierte das Museum seinen fünften Geburtstag. 2009 „geboren“ vom Unternehmer und Mäzen Prof. Dr. h. c. Frederik Paulsen, der seine familiären Wurzeln hier in Alkersum hat und dem Dorf mit gerade mal 400 Einwohnern wieder Leben einhauchen wollte. Das ist richtig gut gelungen, vor allem mit der Bäckerei und dem Wirtshaus, wo sich auch die Landfrauen regelmäßig zum Doppelkopf treffen. Hier wurde monatelang am spektakuläre Kunstobjekt „The Föhr Reef“ gewerkelt. Gelebte Kunst! Jetzt ist das Häkelbild, wie wir, auf Reisen. Man sieht, es lohnt sich: bei den wechselnden Ausstellungen, dem Programm und den Führungen. Toll!

„Lecker machen“ ist hier Überzeugung und zieht immer mehr Gäste in den Bann des Museums.

Bogenschlag zur Insel Amrum: Modersohn-Ausstellung auf Föhr

Bogenschlag zur Insel Amrum: Modersohn-Ausstellung auf Föhr © TA.SH

„Wie am Rande des Paradieses“ empfand Paula Modersohn-Becker ihr Amrum. Die Ausstellung zeigt fast das gesamte, während der Amrum-Reise entstandene, Werk: Skizzen, Bilder, Postkarten und launige Briefe. Das spiegelt so perfekt mein Empfinden für das Eiland mit dem Kniepsand wider und zeigt, wie verwoben die Insel- und Halligwelt in unsere Nordsee ist. Das Kunstmuseum konzentriert sich auf die Malerei der vier Nordseeländer Niederlande, Dänemark, Norwegen und Deutschland in der Zeit von 1830 bis 1930. Dabei auch Berühmtheiten wie Max Liebermann, Emil Nolde und Edvard Munch. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Skagenmaler aus Dänemark. Das fasziniert die Besucher. Gleich nach dem Kunstgenuss kann man die friesische Wattlandschaft um Föhr erkunden. In Echt! Am besten gleich!

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