Ein Camping-Wochenende in Ostholstein: Zwischen Meer und Leckereien

ist auf Fehmarn unterwegs

Ein warmer Wind strömt durch die Dachluke des VW Busses. Draußen höre ich bereits die ersten Camper mit ihren Kaffeetassen klimpern. Zeit aufzustehen! Ich öffne die Schiebetür und vor mir liegt der glatte Kellersee bei Eutin. Vier Männer stehen auf dem Steg des Campingplatzes Prinzenholz und bestreiten eine Regatta mit ferngesteuerten Modell-Segelschiffen. Amüsiert beobachte ich, wie sie ihre Boote um die Bojen manövrieren.

Campingplatz Prinzenholz © Kati Vollmers

Campingplatz Prinzenholz © Kati Vollmers

Kai und ich entschließen uns, eine kurze Fahrradtour in die Stadt zu unternehmen. An der modernen Promenade am Eutiner Schloss angekommen, genießen wir das Panorama aus Schloss und See. Wir lassen die Fahrräder stehen und schlendern durch die kleinen Kopfsteingassen zur Altstadt. Es ist noch früh und dennoch herrscht ein fröhliches Treiben auf den Straßen. Tohuus ist eines der beliebten Cafés am zentralen Marktplatz. Zu Recht denke ich, als wir eintreten und uns ein betörender Kuchengeruch entgegen kommt. Die warmen Bleche stehen noch auf dem Tresen. Mein Tipp: Der Buttermilch-Walnuss Kuchen. Der ist einfach köstlich! Nach der Stärkung geht es zurück zum Campingplatz um weiterzuziehen.

Pelzerhaken © Kati Vollmers

Pelzerhaken © Kati Vollmers

Der Weg führt uns nordwärts an die Küste und wir erreichen Pelzerhaken. Das “Hawaii der Ostsee” lockt mit idealen Surfbedingungen. Außerdem ist die flache Ostsee in dieser Region für Surfanfänger oder entspannte Stand-Up-Paddling Touren geeignet. (Kurse können zum Beispiel bei Sail & Surf oder Surfschule Pelzerhaken gebucht werden.) Einige Stunden verweilen wir am Strand und beobachten die Segelboote, die bei einer leichten Brise auf dem Meer treiben. (Wohnmobilisten können auf dem Stellplatz Pelzer Wiese unweit des Strandes ihren Urlaub verbringen.)

Currycremesuppe im Hofcafé Albertsdorf ©  Kati Vollmers

Currycremesuppe im Hofcafé Albertsdorf © Kati Vollmers

Gegen Nachmittag treibt es uns weiter. Wir überqueren die Fehmarnsundbrücke und folgen der Beschilderung des Hofcafes Albertsdorf. In dessen Scheune erstrahlt ein bezauberndes Boutique-Cafe. Einheimische Leckereien wie Fehmarnsche Kröpl (eine Mischung zwischen Quarkbällchen und Schmalzgebäck) stehen neben Torten-Klassikern und Tagessuppen auf der Kreidetafel. Ich entscheide mich für die Currycreme-Suppe als kleine Zwischenmahlzeit, abgerundet mit einem Kröpel ohne Rosinen.

Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir den Campingplatz am Deich in Wenkendorf. Der kleine Platz direkt hinter dem Deich besticht durch seine Lage: Im Vordergrund die Ostsee mit Blick auf Dänemark, im Hintergrund Wald und Binnensee. Die große Wiesenlandschaft zwischen Deich und Meer lädt zum Picknicken, Sonnenbaden oder Frisbee spielen ein. Doch bevor wir uns niederlassen, steht ein kleines Sportprogramm an. In kürzester Zeit pumpen wir mein SUP-Board auf und ich paddel damit ungestört auf dem Wasser umher. In der Ferne sehe ich Angler, die ihre Ruten ausgeworfen haben. Die Fährschiffe, die auf ihrem Weg von Schleswig-Holstein nach Schweden sind, senden ein leises Surren über die Meeresoberfläche. Erschöpft aber glücklich lasse ich mich noch einen Augenblick an der Küste treiben, bevor ich an Land gehe.

Fehmarnsundbrücke © Kati Vollmers

Fehmarnsundbrücke © Kati Vollmers

Zurück am Campervan machen wir es uns auf der Wiese am Strand bequem. Erst kurz vorm Sonnenuntergang wird es kühler, so dass wir uns an den Deich zurückziehen. Eingekuschelt in Wolldecken beobachten wir bei einem Glas Wein, wie die Sonne im Meer versinkt. Nach Einbruch der Dunkelheit mache ich eine Entdeckung: Auf dem Deich vor unserem VW Bus steht ein Reh. Es bewegt sich nicht, bis wir vorsichtig versuchen, unsere Schiebetür zu öffnen. Aufgeregt huscht es hinunter zum Meer. Schnell werfen wir unsere Jacken über und eilen hinterher. Dort springt es in rasanter Geschwindigkeit über die Wiesen, bis es in den Schatten der Bäume verschwindet.

Bereits am frühen Morgen sitzen wir bei strahlendem Sonnenschein vor dem VW Bus und stärken uns für die anstehende Fahrradtour zum Flügger Leuchtturm. Bis zur kleinen Landzunge im Südwesten Fehmarns sind es etwa 15 Kilometer. Wir nehmen den Weg am Meer entlang, auf dem wir den Ort Altenteil passieren. Der vorgelagerte Salzensee liegt zwischen uns und der Ostsee. Der Deich spendiert uns einen herrlichen Ausblick über die Schilflandschaft. Auf Höhe von Westermarkelsdorf verlassen wir den Ostseeküsten-Radweg und folgen den Straßen über Schlagsdorf und Petersdorf. Hier machen wir einen Halt. Ein junger Mann in Seemanns-Dress und norddeutschem Slang präsentiert uns ein Fischfilet, das in wenigen Minuten in unser Fish ‘n’ Chips verwandelt wird. Kugelrund rollen wir die flachen Straßen Fehmarns weiter südwärts. Von der Sonne gebräunt, erreichen wir nach kurzer Zeit das Flügger Leuchtfeuer. Eingebettet in Getreidefelder bietet sich ein grandioses Panorama. Auch die Fehmarnsundbrücke ist zu sehen. Gut gelaunte Urlauber lassen sich am Leuchtturm-Cafe nieder. Fast alle sind mit Fahrrädern unterwegs, da es keine Parkplätze und PKW-Zufahrtswege gibt.

Adventure-Minigolf-Anlage © Kati Vollmers

Adventure-Minigolf-Anlage © Kati Vollmers

Gegen Nachmittag sind wir zurück am Campingplatz. Nach kurzer Verschnaufpause düsen wir los, um auch den östlichen Teil Fehmarns zu erkunden. Unterwegs entdecken wir eine Adventure-Minigolf-Anlage, auf dessen verrückten Bahnen wir einige Bälle versenken. Wir schlagen diese durch ein drehendes Wasserrad, auf einem wackeligen Surfbrett, über Miniaturflüsse und auf vielen weiteren kuriosen Bahnen. Mein Favorit? Die Leuchtturm Bahn. Als letzte Gäste verlassen wir die Anlage und fahren an die Steilküste Katharinenhof.

Steilküste Fehmarn © Kati Vollmers

Steilküste Fehmarn © Kati Vollmers

Still und fast unberührt wirkt dieser Teil Fehmarns. Große Steine liegen verstreut zwischen kleineren im Meer, als ob ein Riese sie willkürlich zu Boden fallen lassen hat. Ganze Bäume wurden durch vergangene Stürme der Steilküste entrissen. Wir beginnen auf der glatten See Steine zu flitschen. Wie kleine Kinder freuen wir uns über mehr als drei Hüpfer an der Wasseroberfläche. Erholt von einem Camping-Urlaub in Schleswig-Holstein lassen wir auf unserem Heimweg die Insel hinter uns. Die Sonne steht tief und färbt die Landschaft in einen warmen Schein. Wir halten in Großenbrode, um einen letzten Blick auf die Brücke zu genießen, die im warmen Abendlicht immer dunkler wird.

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