Ein Kopfalbum voller Inselbilder

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Wie ein Spiegel liegt das Watt vor mir. Die Sonne spielt Glitzerspiele im ablaufenden Wasser. Ich träume vor mich hin. Näher kommendes Rattern holt mich zurück.

Blick zurück ins Glitzerwatt

Blick zurück ins Glitzerwatt © TA.SH

Der Zug fährt ein. Kurzes Wendemanöver am Fähranleger von Dagebüll. Die Sonnenspiele beobachte ich nun durch eine Fensterscheibe. Die Glitzersterne werden kleiner. Der Deich ist die Grenze: ich bin zurück, zurück von zwei unglaublichen Tagen im nordfriesischen Inselmeer, zurück von gefühlten zwei Wochen, die in Wahrheit nur zwei Tage waren. Zweieinhalb Stunden bin ich unterwegs nach Kiel. Ich habe Zeit, anzukommen und die in meinem Kopf gespeicherten Bilder zu durchblättern.

In meinem Kopfalbum lese ich Bildbeschriftungen wie „erstes Frühstück auf der Fähre von Amrum nach Föhr“, „Strandblick“ und „Inselweite“. Mehrere Seiten meines Albums sind gefüllt mit Eindrücken meines ersten Besuchs im Museum Kunst der Westküste: „Amrum-Grüße aus der Modersohn-Ausstellung“, „Gartenblick“, „Museumsglück für Kinder“. Ein tolles Haus, in dem ich nicht nur wahnsinnig viel entdecken und erkunden kann, sondern mich vom ersten Augenblick an rundum wohlfühle. Das ist wichtig im Urlaub – egal, wie kurz er auch sein mag!

Unterwegs auf Föhr - mit "Twizy" und dem Tourismus-Chef

Unterwegs auf Föhr – mit “Twizy” und dem Tourismus-Chef. © TA.SH

Oje, die nächsten Seiten würden jeden externen Betrachter langweilen: „Twizy am Hafen“, „Twizy vor Mühle“, „Twizy vor Pferdeweide“ (Föhr ist ein Paradies für Pferdeliebhaber: 850 Pferde gibt es auf der 83 Quadratkilometer großen Insel; viele davon sind eigentlich „Festländer“ und verbringen – wie Urlauber – ihre Sommer auf der Insel). Twizy ist toll – und definitiv mehr als ein Lückenbüßer. Twizy ist ein kleiner Elektroflitzer. Zwei Personen haben darin Platz. Auf Föhr kann man ihn ganz- oder halbtägig mieten, um die Insel zu erkunden. Das finden wir super! Erst recht, da unser Glücksküstenmobil für den Inseltrip an Land geblieben ist. Ein großes Auto brauchen wir auf Föhr und Amrum nicht.

Bauerngartentraum in Nieblum

Bauerngartentraum in Nieblum © TA.SH

Zusammen mit Tourismus-Chef Armin Korok düse ich über die Insel. Der Wind pfeift mir durch Twizys offene Seiten um die Nase. Das macht Spaß! Ganze drei Seiten in meinem Album füllt unser Stopp in Nieblum. Das ist der Insel-Lieblingsort meiner Chefin. „Das musst du dir unbedingt ansehen. Das wir dir so gut gefallen“, gibt sie mir kurz vor ihrer Weiterreise auf den Weg. Und sie soll mal wieder Recht behalten.

Friesenidylle mit Reet und Rosen

Friesenidylle mit Reet und Rosen © TA.SH

Reetdachhäuser, wie aus dem Bilderbuch. Bauerngärten, in denen Zinnien in wärmsten Sommerfarben blühen und üppig-pinker Phlox über die Zäune rankt. Ich bremse mich, als wir an niedlichen, sehr nordisch angehauchten Geschäften vorbeiflanieren. Ich könnte stundenlang herumstöbern. Doch ich möchte ja noch so viel mehr sehen von Föhr.

Ich schlage die nächste Seite auf: immer noch Nieblum, Kirche und Friedhof. Hier tauche ich ein in die Zeit der Seefahrer und Walfänger, zurück ins 17. bis 19. Jahrhundert.

Grabsteine, die Lebensgeschichten bewahren (Föhr)

Grabsteine, die Lebensgeschichten bewahren (Föhr). © TA.SH

Es gibt hier „sprechende Grabsteine“, die mit Worten und Symbolen auf den massiven Steinen die Lebensgeschichten der Verstorbenen bewahren. Und noch etwas Neues bringt mir Armin Korok hier vor St. Johannis, der ältesten Kirche der Insel, bei: „Der sogenannte ‚Friesendom‘ liegt auf einer Linie mit St. Severin auf Sylt, der Alten Kirche auf Pellworm und St. Magnus in Tating, drüben auf dem Festland.“ Ich staune, als ich höre, dass in diese „kleine“ Kirche, die doch die größte Dorfkirche Schleswig-Holsteins ist, 1000 Menschen passen. Unter einem Foto habe ich vermerkt: „Sankt Johannis ist Spielstätte des Schleswig-Holstein Musik-Festivals“.

Kultur, Geschichte, Tradition machen Föhr aus. Die Insel lebt ihre Vergangenheit und blickt gleichzeitig ganz bewusst in die Moderne und in ihre Zukunft. Ich staune ein weiteres Mal, als mir mein Tourismuskollege ganz beiläufig sagt, dass es auf Föhr 106 landwirtschaftliche Betriebe gibt. 66 davon stehen für Urlaub auf dem Bauernhof zur Verfügung und haben tolle Zusatzangebote für Familien. Ich finde noch ein Foto „Blick über die Felder“. Schön!

Museumseingang der speziellen Art

Museumseingang der speziellen Art © TA.SH

„Walkieferknochen zur Begrüßung“ leitet meinen Besuch im Dr. Carl Häberlin Friesen-Museum ein. Baukultur, Leben und Arbeiten, Walfang, Landwirtschaft – es gibt kein Thema, das auf der Reise durch die Föhrer Kulturgeschichte nicht besetzt ist. Im Garten packt eine Mama das Pausenbrot aus; die Kinder tollen zwischen den riesigen Walkieferknochen am Eingang und den rekonstruierten Wohnstuben vergangener Tage herum. Welch angenehme Atmosphäre! (Für mich ist der Besuch gleich doppelt wertvoll: das Friesen-Museum ist Partner in der Pilotphase der Museumsberatung und -zertifizierung in Schleswig-Holstein.)

Töpferei in einem der vielen gemütlichen Föhr-Cafés

Töpferei in einem der vielen gemütlichen Föhr-Cafés © TA.SH

Ich blättere ein paar Seiten weiter und bleibe bei „Erdbeertorte und Milchkaffee“ hängen. Oh, es war so heimelig in Stelly’s Hüüs, wo Werkstatt und Café eins sind! Die Töpferscheibe steht mitten im Café, rundherum rote, weiße, grüne Keramik.

So viel Rot mit weißen Punkten - "Stelly's Hüüs" ist ein Paradies für mich!

So viel Rot mit weißen Punkten – “Stelly’s Hüüs” ist ein Paradies für mich! © TA.SH

Im Nebenraum weiß ich gar nicht, für welche Mitbringsel ich mich entscheiden soll. „Oldsumer Sommer und Föhrer Schlemmerapfel“ – es wird Tee, hübsch verpackt in Rot mit weißen Punkten. Das liebe ich, daran komme ich nicht vorbei!

„Nächster Halt: Kiel. Wir bitten alle Fahrgäste, auszusteigen.“ Jäh werde ich herausgerissen aus meinen Bilderträumereien. Wie im Flug ist die Zugfahrt einmal quer durch Schleswig-Holstein vergangen. Ich schnappe Koffer, Laptop, Kamera. Und ich weiß: diese Reise ist noch lange nicht beendet. Amrum und Föhr haben einen festen Platz in meinem Kopfalbum.

5 Antworten

  1. Ich war dieses Jahr zum ersten mal auf Föhr. Sonst schon auf Amrum. In beide Inseln habe ich verliebt. Einfach ein Traum.
    Die Ruhe!!
    Schon auf der Fähre bekommt man einen anderen Rythmus.
    Die Blumenpracht. Nicht übertrieben. Einfach gemütlich.

    • Andrea C. Bayer Andrea C. Bayer

      Liebe Frau Ahrens,

      herzlichen Dank dafür, dass Sie Ihre Eindrücke mit uns teilen. Ja, die Inselwelt hat ihren ganz besonderen Charme. Das Urlaubsgefühl stellt sich schon beim Betreten der Fähre ganz von alleine ein. Der Wind, der einem an Deck den Kopf frei pustet, das Entdecken der einzelnen Inseln und Halligen, die auf dem Weg über die Nordsee auftauchen…

      Wir wünschen Ihnen noch viele tolle Glücksmomente in Schleswig-Holstein!

  2. Moin Frau Ahrens,

    gerne schaue ich mir neue Perspektiven aus Schleswig-Holstein an. Selbst in Kiel ansässig zieht es meine Familie und ich
    immer mal wieder an die Nordsee. Ohne Aufwand mit einer Tagestour zu erreichen sind die (Halb)-Insel Nordstrand oder Eiderstedt mit Westerhever und seinem berühmten Leuchtturm.

    Vor genau 2 Jahren waren wir auf Föhr, eine Insel zum verlieben, die Zeit scheint stehen zu bleiben.

    Daraus ist mit einer HD-Kamera (Bildqualität) folgende Doku enstanden. Es war mein erstes Filmprojekt zu einem neuen
    Hobby. Kleinigkeiten im hektischen Alltag festhalten.

    https://www.youtube.com/watch?v=itx0AYIn5rA

    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Crew weitere interessante Themen. Schleswig-Holstein hat eine Menge zu bieten.

    • Andrea C. Bayer Andrea C. Bayer

      Lieber Herr Weise,

      es geht Ihnen wir mir: Föhr ist ein perfektes Ziel für einen (Kurz-)Urlaub im eigenen Land. Vielen Dank dafür, dass Sie Ihre Bilder und Informationen zur Insel mit uns und unseren Lesern teilen!

      Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben stets viel Freude beim Erforschen unserer Küstenregionen und dem Land dazwischen – sowie natürlich weiterhin ein glückliches Händchen für die Auswahl der Bilder für Ihre Filmprojekte. Bei den tollen Motiven, die uns Schleswig-Holstein zwischen Nordsee, Ostsee, Binnenland, Herzogtum Lauenburg und den Städten bietet, ist das sicherlich nicht immer einfach…

      • Liebe Frau Bayer,

        vielen lieben Dank für Ihre netten Worte zu meinem Werk.

        Kürzlich habe ich mich einer neuen Herausforderung gestellt. Persönlich habe ich mich entschieden, den Spuren des längsten Flußes in Schleswig-Holstein zu folgen, nämlich der Eider. Auf ihrem Weg durch Schleswig-Holstein bis zur Mündung habe ich abseits der Wege neue und interessante Eindrücke sammeln können. Delver Koog, Tielen und Süderstapel, alles Orte, an denen ich oft weitläufig vorbeifahre. Und das seit über 30 Jahren meiner Anwesenheit im schönsten Bundesland der Welt.

        Falls ich Ihr Interesse geweckt habe, hier der Link bei YouTube:

        https://www.youtube.com/watch?v=gA50CDsrDXc

        Wenn die Eider nicht unbedingt mit den Halligen und Inseln in Verbindung gebracht werden kann, so ist sie doch ein wesentlicher und über die Grenzen hinaus bekannter Bestandteil unseres Bundeslandes. :-)

        Liebe Grüße aus Kiel

        Volkmar Weise

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