Ein Roadtrip an der ehemaligen innerdeutschen Grenze Schleswig-Holsteins

erkundet mit ihrem Bulli das Herzogtum Lauenburg

Meine Reise startet in Niendorf, einem kleinen Dorf an der Ostsee. Vom Hafen mit vielen kleinen Kuttern und bunten Buden, aus den fangfrischer Fisch verkauft wird, führt ein Fahrradweg entlang der Lübecker Bucht.  Hier stellte einst das Meer die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland. Ich parke meinen VW Bus auf dem Wohnmobilstellplatz Vogelpark, schwinge mich auf mein Rad und fahre zur Promenade.

Fahrradweg an der Lübecker Bucht © Kati Vollmers / TA.SH

Fahrradweg an der Lübecker Bucht © Kati Vollmers / TA.SH

Es ist noch früh. Mein Blick schweift zwischen den alten Kapitänshäusern und dem Meer hin und her. Nach einem kurzen Stück auf der Dorfstraße erreiche ich die Brodtener Steilküste. Hier genieße ich die Aussicht auf die Fährschiffe, die Kurs auf Travemünde nehmen. Der hügelige Weg ist gesäumt von Frühlingsblühern und unten am Meer stehen Angler, die auf das Zucken an ihrer Schnur warten. Kurz hinter dem Cafe Hermannshöhe biege ich in den Wald ein und kehre auf der Hauptstraße nach Niendorf zurück, wo ich zwischen kreischenden Möwen und norddeutschem Klönschnack mein Fischbrötchen verzehre.

Ganghäuser und Handelshäuser in Lübeck © Kati Vollmers / TA.SH

Ganghäuser und Handelshäuser in Lübeck © Kati Vollmers / TA.SH

Mit meinem Bulli starte ich den Weg nach Lübeck, der Stadt der sieben Türme. Beim Bummel durch die Altstadt erkunde ich die vielen kleinen Ganghäuser, die ich nur durch kleine Öffnungen zwischen den größeren Häusern erreiche. Immer wieder stoße ich an den Enden der Straßen auf die Trave, welche die Innenstadtinsel vom Rest Lübecks abgrenzt. Ich folge dem Wasser und umrunde so die Insel und staune über imposante Fassaden der Handelshäuser, das Holstentor und dem Park am Mühlenteich. Am Rathausplatz mache ich eine Pause im Cafe Erdapfel und plane meine Reise entlang des Flußes Wakenitz, der in den Ratzeburger See mündet.

Kaffeeglück am Ufer der Wakenitz © Kati Vollmers / TA.SH

Kaffeeglück am Ufer der Wakenitz © Kati Vollmers / TA.SH

Einige Kilometer nördlich von Lübeck erreiche ich durch einen Feldweg den Anlegeplatz am Landhaus Absalonshorst. Die Grenze verlief hier direkt am Ufer der Wakenitz. Am selben Ufer genieße ich einen Kaffee auf den Holzbohlen der Anlegestelle für Kanufahrer. (Ab Ostern gibt es hier die Möglichkeit der Schiffsrundreise zwischen Lübeck und dem Ratzeburger See zuzusteigen.) Die Wärme dieses herrlichen Frühlingstages und das Zwitschern der Vögel verleiten mich dazu, die Augen zu schließen und zu träumen. Ich breche auf, um durch den kleinen Waldweg zurück zum Parkplatz zu schlendern. Ein Wegweiser zeigt 33 Kilometer nach Norden an, ein Weiterer 18 Kilometer Richtung Ratzeburg, deren Dom ich von meinem heutigen Campingplatz sehen werde.

Ausblick vom Campingplatz Schwalkenberg: der Ratzeburger Dom © Kati Vollmers / TA.SH

Ausblick vom Campingplatz Schwalkenberg: der Ratzeburger Dom © Kati Vollmers / TA.SH

Die Anfahrt zum Campingplatz Schwalkenberg führt mich durch Felder. Plötzlich! Ein Überraschungsmoment! Ein Strauß baut sich neben mir auf. Nur ein paar Meter von mir entfernt. Wir schauen uns verdutzt an. Wahrhaftig: Auf dem Feld, an dem ich gerade abgebogen bin, steht jetzt ein ungefähr zwei Meter großer Straußenvogel. Als ich noch darüber nachdenke, ob ich das gerade wirklich gesehen habe, laufen drei weitere Tiere auf dem Feld neben mir. Alles läuft binnen Sekunden ab. Ich bin so überrascht, dass ich vollkommen vergesse, diesen Moment mit der Kamera festzuhalten. Am Abend bestätigen meine Recherchen, dass es in dieser Region mittlerweile 100 freilebende Nandus gibt, die vor rund zehn Jahren von einer Straußenfarm ausgebrochen sind. Beflügelt von dem unerwarteten Erlebnis passiere ich den holprigen Anfahrtsweg.

Nach einer steilen Abfahrt rolle ich sanft auf die kleine Besucherwiese des Campingplatzes am Ufer des Sees. Zwei weitere Camper erfreuen sich bereits des Anblicks des Ratzeburger Doms. Am Abend nimmt der Wind ab und es legt sich eine Ruhe über den See, mit der die letzten Segelschiffe in ihre Häfen einkehren. Ich ziehe mich in den Bus zurück und beobachte wie der Dom bei zurückgehendem Tageslicht im Glanz der Scheinwerfer strahlt.

Vom Sonnenschein geweckt auf dem Campingplatz Schwalkenberg © Kati Vollmers / TA.SH

Vom Sonnenschein geweckt auf dem Campingplatz Schwalkenberg © Kati Vollmers / TA.SH

In der Früh ziehen meine Nachbarn auf ihren SUPs ruhige Bahnen über den von Morgendunst bedeckten See.

Filmreife Kulisse am Ratzeburger See © Kati Vollmers / TA.SH

Filmreife Kulisse am Ratzeburger See © Kati Vollmers / TA.SH

Einige Stunden später erreiche ich über eine kleine Anfahrtsstraße die Inselstadt Ratzeburg. Bei Sonnenschein tummeln sich Touristen an den Ufern der Stadt. Kleine Stege führen in den Ratzeburger See hinein und das Schilf ragt kulissenreif neben Bootsschuppen in die Höhe. Ich lausche den Worten eines alten Pärchens auf einer Parkbank, die inspiriert von zwei Jungen in Badehosen, davon erzählen in der Jugend Wetten über das Hineinspringen vereinbart zu haben. Vom Dom aus entdecke ich den Campingplatz, auf dem ich mich am Vorabend den spiegelverkehrten Anblick betrachtete. Auf dem Rückweg zum Campervan besorge ich mir ein Softeis aus eigener Herstellung an dem liebevoll gestalteten Eiswagen von Milchverliebt. Ich genieße die „kalte Kuh“ in der Sonne bevor ich meinen Roadtrip entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze fortsetze.

Landzunge am Lanzer See © Kati Vollmers / TA.SH

Landzunge am Lanzer See © Kati Vollmers / TA.SH

Das Glitzern der Sonne auf den vielen Seen zieht mich in seinen Bann. Der idyllische Landstrich zwischen Ratzeburg und Klein Zechen führt mich über Mustin, Kittlitz, Dragow und Seedorf. Besonders schön ist das Dörfchen mit dem bezaubernden Namen Zuckerhut. Von Klein Zechen aus fahre ich auf direktem Weg zum Campingplatz am Lanzer See, um den Nachmittag ausklingen zu lassen. Die Auffahrt führt über eine kleine Brücke, von der ich die Landzunge erblicke. Hier schlage ich mein Nachquartier auf. Ich mache es mir an der Spitze des Ausläufers bequem und während sich die Sonne vor dem Ende des Tages verneigt, versinke ich am Ufer des Sees in einem guten Buch.

Noch in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages erreiche ich Lauenburg dem Zielort meiner Route. Dort wo einst Nord- und Westdeutschland getrennt waren, spaziere ich durch den Fürstengarten und folge dem Wallweg, einem holprigen und sich schlengelnden Weg, hinab in die historische Altstadt.

Fachwerkhausfront  in Lauenburg © Kati Vollmers / TA.SH

Fachwerkhausfront in Lauenburg © Kati Vollmers / TA.SH

Am Ufer der Elbe werde ich mit Schönheit von Fachwerkhäusern überwältigt, an dessen Elbseite eine hölzerne Tafel die Höchststände vergangener Hochwasserfluten anzeigt. Es würde ewig dauern jeden Winkel zu entdecken. Das macht den Ort für mich noch magischer.

Kajakfahren auf der Trave am Brenner Moor © Kati Vollmers / TA.SH

Kajakfahren auf der Trave am Brenner Moor © Kati Vollmers / TA.SH

Bevor meine Reise zu Ende gehen soll mache ich auf meiner Rückfahrt einen kurzen Abstecher und besuche das Brenner Moor. Ich schlendere vom kleinen Parkplatz nahe der „Grünen Brücke“ auf direktem Weg in das Naturschutzgebiet. Der mit Schilf gesäumte Bohlenweg verläuft hunderte Meter durchs Moor bis er die Trave erreicht, den Fluss den ich bereits am Anfang meiner Tour in Lübeck begleitete. Ich wandere auf dem Holzweg immer tiefer ins Moor und ersetze die verschwommenen Erinnerungen meiner Kindheit an Moorbesuchen mit neuen Eindrücken. Auf der kleinen Bank an der Trave gleiten zwei Kajakfahrer an mir vorbei. Enten tauchen zwischen den Gräsern auf und starten mit kräftigen Flügelschlägen in die Lüfte. Ein wahrlich gelungener Abschluss einer Reise durch das Herzogtum Lauenburg – ein wunderschönes Gebiet Schleswig-Holsteins.

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben