Finde das schwarze Schaf!

in Westerhever
Naturstrand auf Eiderstedt © TA.SH

Naturstrand auf Eiderstedt © TA.SH

Wir steuern den Naturstrand an. Hier gibt es auch tolle Gumpen, das sind die kleinen Pools, die sich bei Ebbe bilden, wunderbar zum Plantschen, Matschen und Meeresgetier beobachten. „Achtung, Schafsköttel!“ Aufpassen muss man beim Deichspaziergang schon. Im Verwaltungsdeutsch heißt das „deichtypische Hinternisse“, erklärt uns der Bürgermeister schmunzelnd. So werden unbedarfte Urlauben vor den bisweilen rutschigen Hinterlassenschaften gewarnt.

Gassigehen mit den Schafen © TA.SH

Gassigehen mit den Schafen © TA.SH

Ich war heute schon etwas früher wach als Andrea und habe eine kleine Spritztour gemacht. Natürlich auf der Suche nach etwas Kulinarischem. Morgens um halb neun an der Küste. Die Sonne scheint, der Wind bläst und ich fülle meine Lungen mit einem kräftigen Atemzug frischer Landluft, als ich vor der friesischen Schafskäserei in Tetenbüll aus dem Auto steige. Wie bei einem ersten Date klopfe ich leicht schüchtern an die große Tür des Landhauses. Es knarzt kurz und die Tür ist offen. Keiner ist da. In kurzen Schritten schleiche ich durch den Flur mit den meterhohen Decken einfach den Stimmen nach. An der nächsten alten Holztür angekommen, nehme ich meinen Mut zusammen und trete ein. Dabei überrasche ich die Familie Volquardsen und die Helferinnen am Frühstückstisch. Eine sehr familiäre Atmosphäre, die hier Tradition hat, wie ich gleich von Redlef Volquardsen erfahre.

Finde das schwarze Schaf © TA.SH

Finde das schwarze Schaf © TA.SH

Und los geht es mit der Besichtigung des Hofes. Erst die Ställe, dann die Weide und dann ein Selfie mit meinen neuen Schafs-Freunden, die mich gleich wegen meines imitierten Fellkragens ins Herz geschlossen haben.

Im Käsekeller – der Schatzkammer © TA.SH

Danach in die Käserei und den liebevoll eingerichteten Hofladen. Ein Crashkurs in Natürlichkeit, Offenheit und Vertrautheit. Gefühlt könnte ich jetzt schon ein ganzes Buch schreiben. Über die dreisprachig erzogenen Border Collies “Lene” und „Spot”, die die Herde voll im Griff haben, das alte Wollschaf „Mathilde” oder die ungewöhnlichen Käsespezialitäten, die in Handarbeit hergestellt werden. Von Mai bis Oktober gibt es auf dem Hof die ganz persönliche Führung, bei der man alles hautnah erleben kann. Sehr empfehlenswert. Ich muss leider wieder los,
fühle mich aber jetzt schon wie ein Familienmitglied.

Blütenmeer beim Haubarg Hülkenbühl © TA.SH

Vor dem imposanten Haubarg Hülkenbühl empfangen uns duftende und blühende Pflanzen, die durch die Regentropfen und die Sonne glänzen, wie ein silbernes Meer. Jetzt kurz geduckt, durch die viel zu niedrige Tür und rein geht es in den Landladen Kühl mit allerlei Klüngelkram. Dies ist natürlich besonders für Andrea ein Paradies. Ehrlich gesagt, finde ich solche Läden auch immer sehr spannend. Wahrscheinlich ist es die Erinnerung, wie ich als Kind heimlich auf dem Dachboden meiner Eltern nach Schätzen gesucht habe – oder einfach die weibliche Seite an mir. Egal. Es zaubert uns beiden ein breites Lächeln aufs Gesicht. Nach einer herzlichen Begrüßung dürfen wir sofort Kirschen und Erdbeeren Marke „Eigenanbau“ probieren. Danach lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, mit Martina Kühl die frischen Hühnereier sammeln zu gehen. Ist ein bisschen wie Ostereier suchen im August. Auf dem Weg entdecke ich noch zwei prunkvolle Pfauen und jede Menge Lamas, die nicht so ganz typische für unsere Nordseeküste sind. Martina Kühl geht sehr liebevoll mit ihren kleinen Gefährten um und hat immer eine amüsante Geschichte im Gepäck. Wie die eine Glucke, die immer auf alle Küken aufpasst, eine echte Mutti also. Dies sieht man auch sofort an dem skeptischen Blick der gefederten Mutti, als wir den Hühnerstall mit den Kleinen betreten oder nur betreten wollen. Keine gute Idee, höre ich Martina flüstern und schleiche mich sofort wieder heraus.

Meine neue Liebe "Olga" © TA.SH

Meine neue Liebe “Olga” © TA.SH

Ganz besonders ist mir „Olga” aufgefallen, ein Leonberger. Die junge durchnässte Hündin, die nicht weiß, dass sie mit einer Kopfhöhe von über einem Meter sehr groß ist. Als sie vom anderen Ende des Hofes losrennt, um mich mit voller Energie und Freude zu begrüßen. Liebe auf den ersten Blick oder auch Sprung, wenn ich meine Jacke so ansehe.

Verloren im Maislabyrinth © TA.SH

Ein Maislabyrinth gibt es hier auch. Wie funktioniert das? Wie groß ist es? Kann man sich darin wirklich verlaufen? Ist sicher nur was für kleine Kinder, denke ich. Doch wieder einmal werde ich eines Besseren belehrt. Sobald man in den Maisurwald eintaucht, verliert man sich ein wenig. Neugierig und mit dem Schalk im Nacken fange ich an, durch die Gänge zu huschen. Ups, wo sind die anderen hin? Natürlich habe ich mir – genau wie in einem Parkhaus – nicht den Weg gemerkt. Die Tour durch den Irrgarten kann bis zu zwei Stunden dauern. Zu guter Letzt findet mich “Olga” und zeigt mir den Weg in die Freiheit. Wir sind ein Herz und eine Seele. Mein Tipp an dieser Stelle: „Lange Nacht der Lichter“ im Maislabyrinth.

Glücklich im Café auf dem Lande © TA.SH

Glücklich im Café auf dem Lande © TA.SH

Durch Zufall erfahren wir vom Glücks-Café, das ganz in der Nähe sein soll. Neugierde geweckt, jetzt geht die Suche los. Natürlich verfahren wir uns noch dreimal auf dem kurzen Stück zum Geheimtipp. Doch es hat sich gelohnt. Sonnig empfängt uns dieser ungewöhnliche Ort mit den umfunktionierten Bauwagen, bei dem wir Brombeeren und Himbeeren selbst pflücken dürfen.

Was für eine Freude: süße Himbeeren © TA.SH

Durch den leichten Regen ist die Wiese etwas durchnässt. Was für meine sommerlichen Turnschuhe eine kleine Herausforderung ist. Nass, aber stolz mit einer ganzen Schale voller Beeren, nehmen wir uns eine kleine Auszeit und naschen die süßen Köstlichkeiten. Fast wie im Urlaub, wenn die Chefin nicht dabei wäre.

 

Milch macht müde Männer munter in der Melkstuv © TA.SH

Milch macht müde Männer munter in der Melkstuv © TA.SH

P. S.: An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, einige leckere Tipps in Husum und auf dem Lande zu geben:

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