Inselcharme und Seehundbad

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Amrum ist einfach zauberhaft. Amrum ist menschliche Herzlichkeit und gemäßigte Nordseerauheit. Die Insel ist feinster Sandstrand und Dünenlandschaft in Grasgrün und Heideviolett.

Dünengras

Dünengras © TA.SH

Sie ist Entschleunigung bei Anreise und Watterlebnis, sie ist Geschwindigkeitsrausch beim Wasserritt via Schlauchboot.

“Amrum zum Kennenlernen” habe ich vor zehn Jahren mitten im Winter für zwei Nächte gebucht. Ich war begeistert – vom Durchpustenlassen am weiten Strand, von Reetdachcharme und Gemütlichkeit. Heute lerne ich Amrum neu kennen. Ich lerne Amrum mit seinen wunderbaren Menschen, mit seiner einzigartigen Natur und dem ganz besonderen Etwas, das ich irgendwie noch nicht so recht in Worte zu verpacken vermag, kennen. Amrum ist heute Himmelblau.

Morgensonne in Norddorf/ Amrum

Morgensonne in Norddorf/ Amrum © TA.SH

Andrea Gastager und ich genießen gleich nach dem Frühstück die ersten Sonnenstrahlen im Liegestuhl vor unserem Hotel. Nebenan stehen Einheimische und Gäste geduldig Schlange vor der Bäckerei. (Am Nachmittag verstehen wir, warum: die Friesentorte ist der Hammer, Anderes sicherlich auch…)

Dieser unser Glücksmoment ist schnell vorbei: Tourismuschef Frank Timpe steht strahlend vor uns; er weiß bereits, welch wundervolle Erlebnisse uns an diesem Tag noch bevorstehen sollen.

Sandradwege und der Duft von Kiefernwäldern auf Amrum - das macht glücklich.

Sandradwege und der Duft von Kiefernwäldern auf Amrum – das macht glücklich. © TA.SH

Mit himmelblauen Fahrrädern starten wir durch Kiefernwälder (Amrum hat mit 180 Hektar den größten Waldanteil der nordfriesischen Inseln), vorbei an der Vogelkoje und weiter mit dem Endziel Strand. Auf dem Weg spicken wir in eine Rekonstruktion eines eisenzeitlichen Hauses.

Entspannungswege auf Amrum

Entspannungswege auf Amrum © TA.SH

Ein Holzbohlenweg weist uns den Fußweg zu einem der Wahrzeichen der Insel: dem Quermarkenfeuer. Wir schauen hinüber zu den Nachbarinseln Föhr und Sylt. Und schon wenige Minuten später ist es soweit: die Schuhe werden ausgezogen, feiner, weißer Sand weicht unter unseren Füßen. Wir stehen auf dem Kniepsand. Der Name geht auf Öömrang, das Amrumer Friesisch, zurück. Er beschreibt zehn Quadratkilometer dieses sich so herrlich anfühlenden Sandes, der den Westen der Insel ausmacht. Bis zum Wasser spazieren wir. „Die Insel ist gerade rappelvoll”, erzählt uns Frank.

Ein Platz in der Düne...

Ein Platz in der Düne… © TA.SH

Andrea und ich schauen uns verwundert an: am Norddorfer Strand merkt man davon nichts. Es verläuft sich hier so toll, dass man Ruheplätze und individuelle Glücksorte gar nicht erst zu suchen braucht.

Radparkplatz auf der Nordseeinsel Amrum

Radparkplatz auf der Nordseeinsel Amrum © TA.SH

Ich entdecke am ganzen Tag nur eine Stelle, die ich als rappelvoll bezeichnen würde: das ist der Fahrradparkplatz vor dem Norddorfer Strandübergang. Wir haben inzwischen unsere Räder abgegeben und freuen uns auf echt friesischen Kaffeklatsch. Wir sind eingeladen bei Liane Kurfürst. „Ich würde mich freuen, Sie auf Ihrer Tour im Alten Kapitänshaus bei uns begrüßen zu können”, schrieb sie uns zu Beginn unserer Glücksküstenschnack-Tour. Unser Gastronomie- und Hotellerie-Experte sowie Tourorganisator Philipp Dornberger war sich nach dem ersten Telefonat mit Liane sicher: „Da müsst ihr hin. Das ist ein echtes Juwel.” Das Juwel steht mit seinen zwei Ferienwohnungen im Ort Nebel. Eingedeckt ist bei unserer Ankunft bereits mit klassisch weiß-blauem Friesengeschirr. Über bunte Blumenbeete blicken wir von der Tafel direkt auf’s Watt. Die Historie des liebevoll und hochwertig restaurierten Hauses lässt sich bis mindestens 1670 zurückverfolgen.

Wie unter Freunden: Kaffeeklatsch mit Friesentorte

Wie unter Freunden: Kaffeeklatsch mit Friesentorte © TA.SH

Zusammen mit den momentanen Gästen, dem Ehepaar Droste, lauschen wir Lianes Erzählungen zu Originaltüren, Gebälk und Fliesenbildern. Es ist wie unter Freunden! Drostes schwärmen von „ihrer” Urlaubsinsel, vom „frischen Seewind, der so herrlich frei ist.” Wir plaudern und stellen fest, dass sowohl die Hausherrin als auch Drostes aus meiner Heimatgegend stammen.

Echt lecker: echte Friesentorte

Echt lecker: echte Friesentorte © TA.SH

Der echt friesische Kaffeeklatsch wird zum schwäbischen Kaffeekränzle auf Amrum. Ich mag diese Momente, in denen die Welt zum Dorf wird. Herrlich!

Gut gestärkt heißt es für Andrea und mich nun einmal mehr: Premiere! Wir vertrauen uns dem ausgebildeten Nationalpark-Wattführer Ulf an und gehen los zu unserer ersten Wanderung durch’s Watt.

Wattboden

Wattboden © TA.SH

Perspektivenwechsel für mich: die Nordsee rund um Amrum, Föhr und raus zur Hallig Hooge ist eines meiner Lieblingsziele für wochenendliche Seekajaktouren. Tide, Wetter und Wind müssen stimmen, um hier draußen sicher unterwegs sein zu können. Dass die bekannte „Handbreit Wasser unterm Kiel” im Nationalpark Wattenmeer auch mal fehlen kann, weiß ich. Wie es bei Ebbe nahezu ganz ohne Wasser und zu Fuß hier draußen ist, das wusste ich bis heute nicht.

Sonne, Watt und ganz nah dran an Seehunden

Sonne, Watt und ganz nah dran an Seehunden © TA.SH

Sandformationen, Muschelbänke und Austernschalen, warmes Nachmittagslicht, das zu sanftem Abendlicht wird – wir können uns kaum sattsehen. Als das Wasser wieder aufläuft, schwimme ich ein paar Züge in der 24 Grad warmen Nordsee; um mich herum neugierig dreinschauende Seehunde. Geht das noch besser…? Amrum ist einfach zauberhaft.

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