Jago, Phoca und das Fischohr

erkundet die Unterwasser-Fahrzeug-Flotte des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.

Ich habe wohl einen der schönsten Wege zur Arbeit, den man sich vorstellen kann: entlang der Kieler Förde mit tollem Blick auf die Schiffswerft, die Fördedampfer – und die Forschungsschiffe des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.

Das Modell des Forschungskutters "Littorina" veranschaulicht eine Sonar-Vermessung des Meeresbodens.

Das Modell des Forschungskutters “Littorina” veranschaulicht eine Sonar-Vermessung des Meeresbodens. © TA.SH

Jeden Morgen stelle ich mir vor, wie es wäre, beim Auslaufen der „Poseidon“ als blinde Passagierin aufzuspringen und heimlich eine Expedition ins Nordmeer zu begleiten, wie in „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Daher freue ich mich ganz besonders auf unseren heutigen Termin: Gemeinsam mit meinen Kolleginnen Claudia Mank und Laura Litzkow werfe ich einen Blick hinter die Kulissen des Forschungsinstituts und des Kieler Aquariums.

Im Zick-Zack durch die Meere: Rund 3.500 der Tiefendrifter gleiten durch die Weltmeere und führen Messungen durch.

Im Zick-Zack durch die Meere: Rund 3.500 der Tiefendrifter gleiten durch die Weltmeere und führen Messungen durch. © TA.SH

Ich bestaune die Modelle der Forschungsschiffe und die Forschungsgeräte, wie sie früher bei Forschungsfahrten eingesetzt wurden. Modernes Unterwassergerät mit Namen wie „ROV“ und „Tiefendrifter“ kommen mir bekannt vor: Ich habe erst vor kurzem Frank Schätzings „Schwarm“ verschlungen.

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel spielt in dem Roman natürlich eine wichtige Rolle, schließlich zählt es zu den weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung. In vier verschiedenen Forschungsgebieten gehen die Mitarbeiter den chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozessen im Ozean, im wahrsten Sinne des Wortes, auf den Grund:

Nimmt Gesteinsproben per Fernsteuerung: der Tauchroboter "ROV Phoca" des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.

Nimmt Gesteinsproben per Fernsteuerung: der Tauchroboter “ROV Phoca” des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel. © TA.SH

Beim Lesen des „Schwarms“ habe ich mir natürlich vorgestellt, wie der Tauchroboter mit seinen Greifarmen in der dunklen Tiefsee den Meeresboden und seine (mir fremden) Bewohner erkundet. Daher faszinieren mich im Technik- und Logistik-Zentrum besonders das „Tauchboot Jago“ und der „ROV Phoca“. „ROV“, erfahre ich, steht für Remotely Operated Vehicle, zu deutsch: ferngesteuertes Fahrzeug. Unglaublich, dass dieses kastenartige Fahrzeug mit dem einen Greifarm per Fernsteuerung feinste Gesteinsproben nehmen kann – und das in bis zu 3.000 Metern Tiefe! Jago hingegen möchte ich jetzt sofort gerne probesitzen: Das derzeit einzige bemannte Forschungstauchboot Deutschlands bietet Platz für zwei Personen.

Das Archiv des Kieler Forschungszentrums umfasst rund 11.000 Boden- und Gesteinsproben und zählt damit zu den größten Archiven weltweit.

Das Archiv des Kieler Forschungszentrums umfasst rund 11.000 Boden- und Gesteinsproben und zählt damit zu den größten Archiven weltweit. © TA.SH

Im Geo-Labor zeigt uns Meeresgeologe Gerd Hoffmann-Wieck, Mitarbeiter der Abteilung Kommunikation & Medien, verschiedene Bohrproben. Er erläutert, wie die Wissenschaftler daraus wichtige Infos über die klimatischen Veränderungen der Erdgeschichte erhalten. Zum Vergleich zeigt er uns weitere so genannte Geoarchive, die unter dem Mikroskop ebenfalls Klimageschichte greifbar machen: „Schätzen Sie mal, wie alt der Baumstamm ist?“, fragt er mich. Grob geschätzt liege ich nur dreißig Jahre daneben. Bei dem halbierten Stalagmiten, ein Tropfstein, sind es dann ein paar Jahre mehr: Der 60 Zentimeter große Sinterstein ist drei Millionen Jahre alt, wie auch die Manganknollen.

Erzählt drei Millionen Jahre Erdgeschichte: Der Tropfstein wurde als Vergleichsprobe zu den Bodenproben von einer Expedition in Italien mitgebracht.

Erzählt drei Millionen Jahre Erdgeschichte: Der Tropfstein wurde als Vergleichsprobe zu den Bodenproben von einer Expedition in Italien mitgebracht. © TA.SH

Das kleinste Geoarchiv der Welt bringt uns alle drei zum Staunen: das zwei Millimeter große Ohrknöchelchen eines Fisches. Wie ein Baumstamm wächst das Ohrknöchelchen in Jahresringen. Dadurch gibt es Aufschluss über die Wasserqualität des jeweiligen Meeres, in dem der Fisch lebte. Dass Fische Ohren haben, erstaunt mich, und macht mich neugierig aufs Aquarium! Ob wir dort das Ohr eines Fisches sehen können? Das erfahrt ihr im Beitrag von meiner Kollegin Laura Litzkow.

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