Leinen los: Schleswig-Holstein mit dem Hund entdecken

und Jack auf der Suche nach dem tierischen Glück

Er ist unser bester und treuster Freund. Ein vierbeiniger Gefährte, der am liebsten immer und überall dabei sein möchte. Spielen und toben und das ganz zwanglos, ohne Leine. „Hunde, die können, müssen wollen dürfen!“ So steht es in einem Berliner U-Bahnhof als Graffiti geschrieben. Wer auch immer der kreative Kopf war, der dieses Zitat an die Wand gebracht hat…  er hat ja so recht! Aber wo hat man als Hund von heute denn noch das Vergnügen, abgesehen von speziell eingezäunten Hundeplätzen in einigen Parks, die meistens viel zu klein, kahl und für Mensch und Vierbeiner total unspektakulär und langweilig sind?

Pelzige Strandschnute in Schleswig-Holstein.

Pelzige Strandschnute in Schleswig-Holstein. © TA.SH

Ich habe selber eine kleine Fellnase namens Jack zu Hause. Ein Energiebündel, das leidenschaftlich gerne rennt und spielt und gar nicht genug frische Luft tanken kann. Dementsprechend ist die Freude immer groß, wenn wir einen Ausflug zum Falckensteiner Strand in Kiel unternehmen. Im Sommer bezeichnen viele Einheimische den Falckensteiner Strand auch als „Szenetreff“, weil er vor allem bei Familien und jungen Leuten sehr beliebt ist. Jetzt im Winter braucht man nur einen Blick über den kleinen Deichhügel zu werfen und eines fällt sofort auf: Man sieht fast mehr Tier als Mensch. So viele in aller Friedlichkeit, Rasse und Größe tobende Hunde. Sie spielen miteinander, mit ihren Besitzern, mit Stöcken und Bällen, buddeln im Sand oder tollen durchs Wasser. Bei diesem Anblick ist es fast egal, ob Hundebesitzer oder nicht – es zaubert einfach jedem Menschen sofort ein Lächeln auf die Lippen. So viel Freude und Ausgelassenheit strahlen die Vierbeiner aus. Ich muss sagen, dass ich fast gerührt war von dieser Harmonie.

Da tobt unser kleiner Mops hakenschlagender Weise mit riesigen Rottweilern durch den Sand, wo er doch sonst vor allem kehrt macht, was auch nur ansatzweise seine Größe überschreitet. Eine Gruppe Reiter galoppiert am Ufer entlang, begleitet von einem winzig kleinen Zwergspitz, der gekonnt zwischen den trampelnden Hufen im Slalom läuft. Ein paar Meter im Wasser stehen Angler, die schweigend und mit einer Engelsgeduld auf ihren großen Fang warten. Im Hintergrund Segelboote in allen Farben und Größen und zwischendurch ein riesiges Containerschiff, das vorbeizieht. Man sieht Jung und Alt, Familien mit Kindern, Paare, kleine und größere Grüppchen… und fast jeder hat mindestens einen Hund dabei. Das macht einfach unglaublich viel Spaß.

Auch im Winter fühlen sich die pelzigen Vierbeiner in Schleswig-Holstein pudelwohl.

Auch im Winter fühlen sich die pelzigen Vierbeiner in Schleswig-Holstein pudelwohl. © TA.SH

Nicht nur am Falckensteiner Strand in Kiel. Solche Szenen spielen sich zu dieser Jahreszeit an so vielen Stränden Schleswig-Holsteins ab. Es ist wirklich ein Traum. Ich muss sogar gestehen, dass ich bereits als Nicht-Hundebesitzerin völlig fasziniert davon war und liebend gerne auch noch im Winter an die Strände gefahren bin – einfach um den Hunden beim Spielen zuzuschauen und vielleicht Einem oder Zweien „Hallo“ zu sagen. Denn sobald die offizielle Nebensaison beginnt, also zwischen Oktober und April, heißt es an fast allen Stränden Schleswig-Holsteins: Leinen los. Und zwar nicht nur an eingeschränkten Strandabschnitten.

Leinenzwang war schon immer ein umstrittenes und leidiges Thema und ja, auch als Hundebesitzerin kann ich sagen: Nicht ohne Grund! Angst vor Hunden, erhöhte Unfallgefahr mit anderen Verkehrsteilnehmern durch nicht erzogene Hunde, wildernde Hunde, deren Jagdinstinkt in manchen Fällen einfach nicht kontrollierbar ist und und und… Häufig tragen auch die Besitzer einen entscheidenden Teil dazu bei, ob die Vierbeiner gern gesehene Gäste in bestimmten Gebieten sind oder nicht. Und trotzdem ist die Kompromissbereitschaft hier in Schleswig-Holstein uns gegenüber wirklich groß.

Am Strand mit dem Hund ©Jens König

Am Strand mit dem Hund ©Jens König

Neben meinem Lieblingsgeheimtipp „Strand in der Nebensaison“, möchte ich unbedingt auch die Hundewälder empfehlen, die es in Schleswig-Holstein gibt. Acht Stück sind es insgesamt, verteilt von Scharbeutz an der Ostsee, über Trappenkamp im Binnenland, bis nach Christianslust – zwischen Wacken und Friedrichskoog an der Nordsee. Also ganz egal, wo im Land man sich gerade befindet – die Wege zum nächsten Hundewald sind wirklich nicht lang. Falls dem einen oder anderen der Begriff noch nicht so geläufig ist: Hundewälder sind speziell eingezäunte Waldflächen, ganz ohne tierische Wildbewohner, in denen sich Hunde auch ohne Leine frei bewegen dürfen. Hier haben Mensch und Tier ausreichend Platz, um ordentliche Runden zu drehen. Mit aufgestellten Wassernäpfen an jeder Ecke und (ganz wichtig) genügend Schietbüddel-Stationen, kann sich weder Vier- noch Zweibeiner beklagen. Ich selber oder besser gesagt Jack und ich haben zwar noch nicht alle acht Hundewälder in Schleswig-Holstein getestet, aber immerhin schon zwei. Genug, um einstimmig sagen zu können: Hundewälder sind eine großartige Erfindung und für Hund und Herrchen absolutes Pflichtprogramm!

Mein persönliches Fazit: Einem leinenlosen Herbst, Winter und Frühjahr steht hier bei uns im Norden nichts im Wege. Ob an der Ostsee, Nordsee oder im Binnenland – Hier dürfen Hunde, die können noch wollen und das ist toll!

Und keine Sorge: Er will doch nur spielen…

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben