Masel tov Eutin!

unterwegs in Eutin

“Wenn ich einmal reich wär’…”, der Gassenhauer aus dem Erfolgsmusical Anatevka von Jerry Bock klingt mir noch auf dem Nachhauseweg durch den Eutiner Schlosspark in den Ohren, beschwingt und leicht, trotz später Stunde. Heute war die zweite Premiere des Eutiner Festspielsommers.

Tevje, der Milchmann, ist die Hauptfigur in Anatevka

Tevje, der Milchmann, ist die Hauptfigur in Anatevka. © TA.SH

Die heiter tragische Geschichte des armen Milchmanns Tevje und seiner fünf Töchter im kleinen russischen Dorf Anatevka passt so gut nach Eutin. Hier spürt man an vielen Ecken noch die Zeit, als sich hier die Dichter und Denker die Türklinke in die Hand gaben: wie Johann Heinrich Voß, der Goethemaler Tischbein und der Komponist Carl-Maria von Weber. Mittelpunkt ist natürlich das Schloss direkt am See, in dem schon Katharina die Große als Kleine durch die langen Gänge und den Park tobte und hier auch ihren späteren Gemahl, den angehenden Zaren, kennenlernte. Was für eine Geschichte! Die könnte man doch touristisch noch viel mehr spielen.

Das Sommerschloss der Großherzöge von Oldenburg ist die perfekte Kulisse für einen lauschigen Abend. Das Premierenpublikum ist gut gerüstet, entspannt pilgern die Gäste mit Körben, großen Taschen, vollgepackt mit Kissen, Decken und Getränken in Richtung Seebühne. Offenbar allesamt Festspiel-Profis. Nach einem weiteren herrlichen Glücksküsten-Sommertag in der Gartenstadt, schieben sich Wolken vor den milchig-blauen Himmel. Aber es ist warm und soll nicht regnen. Wunderbar! Premiere bedeutet immer Anspannung und das “endlich-geht-es-los-Gefühl”. Das spürt man. Die bunte Gästeschar teilt sich kurz vor dem Einlass, die Besucher schlendern zu ihren Plätzen, die Künstler und Musiker eilen zum Bühneneingang*.

Ein Ort für unser Glückswachstumsgebiet

Ein Ort für unser Glueckswachstumsgebiet. © TA.SH

Ich bin mittendrin. Auch das macht den Zauber der Eutiner Festspiele aus. Und für mich natürlich, dass ich hier liebe Freunde, Bekannte und Kollegen wie Bettina Ziegler, die Geschäftsführerin der Eutiner Festspiele, unseren so engagierten und kundigen Begleiter Per Köster, Tourismuschef von Eutin und den Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, den ich noch aus Lübecker Zeiten kenne, treffe. Ich liebe Musicals, besonders die dramatischen und tragischen und freue mich sehr auf den Abend unter freiem Himmel. Leicht wie die Luft ist die Musik.

Andrea Gastager und Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus

Andrea Gastager und Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus. © TA.SH

Das Orchester, das aus Profis und Nachwuchstalenten besteht, wird von meinem lieben Freund, dem Generalmusikdirektor Urs-Michael Theus grossartig dirigiert und lässt die vergangene Zeit im Schtechtl (Dörfchen) Anatevka sofort lebendig werden.

Eingerahmt in das chagallsche Bühnenbild (das auf Marc Chagalls Gemälden immer wiederkehrende Motiv “Fiddler on the Roof” gab dem Musical seinen Namen) leidet und liebt sich Tevje durch seine berühmte Geschichte mit all den Irrungen und Wirrungen ums Verheiraten seiner Töchter: Tradition, Heimat, das drohende Progrom und vor allem die oft zitierte Haube, unter die er seine Töchter bestmöglichst bringen möchte.

Das Bett ist die Tuer_originelle Buehnengestaltung

Eine originelle Buehnengestaltung: Das Bett ist die Tuer. © TA.SH

Die Schauspieler, Sänger und Musiker, allen voran Uwe Schenker-Primus als Tevje begeistern mich. Besonders die vertikale “Bett-Szene” mit Drehtürfeffekt bleibt mir in wunderbarer Erinnerung. Und natürlich die beschwingte russisch-jiddische Musik, die den Abend so besonders erfüllt und sich mit dem Rauschen der Blätter mischt.

Der Kiosk am See

Der Kiosk am See. © TA.SH

In der Pause ist mein Lieblingsplatz der kleine Kiosk am See. Dem Eutiner See, hier wird 2016 die Landesgartenschau die Stadt und die Festspiele umarmen. Es lohnt sich also den Spielplan zu studieren, in der Schlossküche mit einem leckeren Essen zu starten, über die Südterrasse durch den Park zu flanieren und zu lauschen, der Musik, den Sängern und der Natur. Masel tov** Eutin!

* Genau hier findet die Bildübergabe statt, wie meine Kollegin in ihrem Beitrag angedeutet hat. Das Bild ist ein besonderes Foto der Generalprobe, das unser Staatssekretär, Ralph Müller-Beck, auf der Bühne übergibt. Das pinkfarbene Licht, das sich immer wieder bei unserer neuen (ab 2015) Imagekampagne “Glückswachstumsgebiet” finden wird, gibt es auch hier.
** Masel tov heißt auf jiddisch viel Glück oder Glückwunsch und wird oft wiederholt und vor allem lauthals gerufen.

1 Antwort

  1. Liebe Andrea Gastager, ich freue mich sehr, dass der Tag und Abend in Eutin gefallen hat … und wünschte, ich könnte öfter so nette Gäste durch unser kleines “Weimar des Nordens” führen! Auch mich hat die kleine jüdische Geschichte sehr beeindruckt. Im Moment wissen wir übrigens vor lauter Musik auf Freilichtbühne, im Schloss-Innenhof oder am Jagdschlösschen kaum, was wir empfehlen sollen. Willkommen also allen Kulturliebhabern und Unternehmungslustigen – hier wird´s garantiert nicht langweilig!

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