Mit dem Wedge aus dem Bunker über’s Rough auf’s Fairway

entdeckt die Welt des Golfens

Golf: Hobby wohlhabender Damen und Herren jenseits der 50, die neben dem Sport vor allem berufliche Beziehungen pflegen und im Clubhaus gern unter sich bleiben. Das hatte ich zumindest bisher geglaubt. Die Betonung liegt auf „hatte“, denn mit diesem Eindruck lag ich ziemlich daneben.

Aber von Anfang an: Der Golfverband Schleswig-Holstein e.V. hatte zum 1. Mediencup Golf geladen. Thema des Turniers war „Golf & Inklusion“. Für Interessierte ohne Golf-Kenntnisse wurde ein Schnupperkurs angeboten. Da sich meine Erfahrungen auf die familiären Duelle im Minigolf beschränken, schloss ich mich diesem kurzum an.
Gespielt wurde im Golf Club Lohersand, acht Kilometer nördlich von Rensburg. Eine wunderschöne Anlage umschlossen von Heide, Wald und Wasser. Mit seinen insgesamt 18 Löchern und einer Länge von 5.480 Metern für die Herren und 4.675 Metern für die Damen, gehört Lohersand zu den anspruchsvolleren, der insgesamt 63, Golfanlagen in Schleswig-Holstein.

Landschaftsbild Lohersand © GVSH

Landschaftsbild Lohersand © GVSH

Marc Weiser, Golf Pro und Leiter der Golfschule Lohersand, nimmt uns mit an Abschlag 1 und erklärt was sich hinter den Begriffen Handicap, Wedge, Flight oder Par-3 verbirgt.

Marc Weiser erklärt den Golfsport. © TA.SH

Marc Weiser erklärt den Golfsport. © TA.SH

Plötzlich wird unsere Frage und Antwort-Runde unterbrochen. Neben uns kommt Sarah Rinkowitz mit ihrem Vater Udo in einem Golfcaddy vorgefahren. Beide sind extra für den Mediencup Golf aus Schweinfurt angereist. Staunend schauen wir zu, wie das Mädchen mit Down-Syndrom fröhlich aus dem Wagen hüpft, Vater Udo ihr den Schläger in die Hand gibt und sie mit einer ungemeinen Power und Präzision den Ball Richtung Loch schlägt. Anschließend marschiert sie gut gelaunt zurück zum Golfcar und wartet vergnügt darauf die Fahrt fortzusetzen. Einige von uns fangen an zu applaudieren, so beeindruckt sind sie von diesem ungewöhnlichen Team.

Sarah und Udo Rinkowitz im Golfcar. © GVSH

Sarah und Udo Rinkowitz im Golfcar. © GVSH

Marc führt uns zur Driving Range, dem Übungsplatz der Golfanlage. Hier dürfen wir uns mit einem siebener Eisen selbst mal probieren. Bevor wir jedoch drauflos bolzen, zeigt uns Marc worauf wir beim Schlag achten sollten. Schnell wird den Teilnehmern und mir klar: so einfach wie das bei Sarah ausschaut, ist es definitiv nicht. Beispiel gefällig? „Augen allzeit auf den Ball, Rücken gerade, schulterbreit stehen, leicht wippend in den Knien, bei der Rotation den hinteren Fuß eindrehen … und am besten bei der ganzen Geschichte nicht verkrampfen!“ Nach einigen Luftlöchern nähere ich mich dem Golfspiel mehr und mehr an. Vor lauter Eifer die kleine, gelbe Kugel zu treffen, merke ich gar nicht, wie ich ins Schwitzen komme. Golfen ist tatsächlich Sport und viel wichtiger: es macht mir richtig Spaß! Irgendwann sind die Bälle in meinem Körbchen leer und ich schaue den anderen noch ein wenig zu.

Ein Sport für jedermann! © GVSH

Ein Sport für jedermann! © GVSH

Ein weiteres Tages-Highlight sollte nach der körperlichen Betätigung folgen: Hätten Sie gedacht, dass es blinde Golfer gibt? Bernd Walsch und seine Assistentin Elke Burmann sind ein eingespieltes Team. Gebannt wollen wir von den beiden erfahren, wie es möglich ist einen Sport auszuüben, der so sehr über die Koordination von Hand zu Auge funktioniert.

Beide stehen während der Vorbereitung auf den Schlag in ständiger Abstimmung. Griff am Schläger, Ausrichtung zum Ball, Schlägerposition – alles muss besprochen sein. Abschließend tippt sie Bernd kurz auf den Fuß, der näher zum Ball liegt. Voll konzentriert, aber dennoch entspannt erklärt uns Bernd die einzelnen Bewegungsabläufe bevor er ausholt und den Ball auf Ansage an die 30-Meter-Marke schlägt. Beeindruckend!

Als die Sonne langsam untergeht, marschieren wir kurzerhand nochmal auf das sehr kurz gemähte Grün und lernen das Putten. Endlich kommen meine Mini-Golf-Fähigkeiten zum Tragen. Es dauert nicht lange bis Nora und Alexander vom Organisationsteam der Special Olympics sich mit mir einen Wettkampf liefern.
Wir lassen den Tag mit allen Teilnehmern bei Siegerehrung, Podiumsdiskussion und Abendessen ausklingen. Eines weiß ich seit heute ganz gewiss: das war sicher nicht das letzte Mal für mich auf einem Golfplatz!

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