Rotgeringeltes Star-Trio vorm Deich

trotzt Wind und Wetter
Rush Hour aufm Deich © TA.SH

Rush Hour aufm Deich © TA.SH

Regenschauer peitschen in mein Gesicht, Böen der Windstärke acht, echtes Schietwetter, wie wir Schleswig-Holsteiner so sagen. Heute ist der Gegenwind so stark, dass ich mit dem Rad kaum vom Fleck komme.

Fahrräder leihen bei jedem Wetter © TA.SH

Fahrräder leihen bei jedem Wetter © TA.SH

Der Weg vom Deich bis zu meinem Sehnsuchtsziel ist eigentlich kurz, heute aber nur was für Wetterfeste und fest entschlossene Besucher wie uns. Aber um meinen Star zu treffen, strample ich mich gerne ab.

Unser Eifelturm im echten Norden © TA.SH

Unser Eifelturm im echten Norden © TA.SH

Er ist eine Legende. Hier wird jeder Urlauber zum Paparazzo. Westerheversand ist der schönste und berühmteste unter den Leuchttürmen. Vorm Deich steht er als Solist mit seinen Zwillingshäuschen, dem Süd- und dem Nordhaus, aufrecht und stolz auf der Bühne der Eiderstedter Natur. Priele, Salzwiesen, das Wattenmeer, SPO (das ist der Kosename von St. Peter-Ording) und eine halbmondförmige Sandbank sind Kulisse, Inszenierung und Wow-Effekt. Er ist mein schleswig-holsteinischer Eifelturm.

Glücksgefühle am Westerhever Leuchtturm © TA.SH

Glücksgefühle am Westerhever Leuchtturm © TA.SH

Und mit dem Holstentor in Lübeck DAS Wahrzeichen unseres echten Nordens. Zu Recht. Das wird auch leidenschaftlich in unserer kleinen Gruppe der Leuchtturmbesucher diskutiert. Die einhellige Meinung ist JA, Westerheversand ist der Star unter den Leuchtfeuern. Klitschnass und glücklich, was geschafft zu haben, stoßen wir die Tür zum Leuchtturm auf. Wir sind spät dran, um elf Uhr beginnt Heinrich Geertsen mit der Tour durch den Turm. Philipp, unser Qualitätsprofi, der Westerhever Bürgermeister und Deichschäfer Olaf Dircks und Beate Peters, die Tourismuschefin vor Ort, sind heute unsere „Schnackertruppe”.

Leuchtturm-Puschen © TA.SH

Leuchtturm-Puschen © TA.SH

„So, jetzt erstmal die Puschen anziehen”, weist uns der Leuchturmwärter a. D. und heutige Führer streng an.  Mit den weichen Filzpantoffeln besohlt erklimmen wir die 158 Stufen bis ganz nach oben. Vorbei an der ehemaligen Schlafstube und dem Standesamt (toll, im Sommer können sich Liebende hier jeden Freitag das Ja-Wort geben) erreichen wir den Kontrollraum gleich unter der Lampe. „So, die Lütten jetzt nach vorne!“ Damit meint Heinrich Geertsen natürlich auch mich.

Leuchtturmwärter Heinrich Geertsen © TA.SH

Leuchtturmwärter Heinrich Geertsen © TA.SH

Jetzt geht es um Wissensvermittlung und Erklärungen zum 1907 gebauten Turm, seinen zwei Schwestern in Pellworm und Hörnum auf Sylt und den Besonderheiten von Kennung, Tragweite und Technik. Haben Sie gewusst, dass alle 17 Leuchttürme an der Nordsee heute ohne menschliche Hilfe arbeiten? Zentral gesteuert. Eigenlicht schade. Heinrich war hier 30 Jahre lang Leuchtturmwärter, hat mit seiner Familie auch bei Landunter in den Zwillingshäuschen gewohnt und zeigt Touris wie uns, seine leuchtende Schönheit. Die Liebe zum Leuchtfeuer spürt man, auch wenn Heinrich norddeutsch zurückhaltend und ein bisserl muksch sein Wissen an Mann und Frau bringt. `Ne Quasselstrippe ist er wirklich nicht, aber ein lebendiges Wikipedia über alles rund um die Strahlkraft unserer Berühmtheit. Er ist fast 80 Jahre jung und tief verwurzelt mit seiner Heimat an der Nordsee. Ein echter Westerheveraner eben. Der Regen macht eine kurze Pause und wir dürfen raus und in luftiger Höhe rund um den Turm laufen. Was für ein Ausblick! Olaf erklärt mir seine im Moment windgepeitschte Welt im 360- Grad-Blick vom Turm.  Die Haubark-Siedlung Westerhever hat etwas mehr als 100 Einwohner, aber mindestens 1.000 Schafe, die wunderbare Milch geben, ihren wollenen Mantel ausbreiten und die Deiche pflegen (durch drauf rumtrampeln und abfressen).

Mit den Schafen war Philipp heute auf Tuchfühlung. Am besten gleich hier weiterlesen!

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben