Schatztruhe Strand: Bernstein in St. Peter-Ording

Glücksreporter auf Entdeckungstour

Die Luft ist so klar wie selten im Februar, kein einziger weißer Tupfen hängt an der stahlblauen Himmelstapete. Dafür pfeift uns eine ordentliche Brise um die Nase – gut eingepackt sind das die perfekten Voraussetzungen für einen Spaziergang über den ewigweiten Nordseestrand von St. Peter-Ording.

Beim Spaziergang über die Seebrücke in St. Peter-Ording ist man bereits mittendrin im Naturschutzgebiet. © Christoph Karrasch

Beim Spaziergang über die Seebrücke in St. Peter-Ording ist man bereits mittendrin im Naturschutzgebiet. © Christoph Karrasch

Zum Rauschen von Wind und Meer in den Ohren gesellt sich ein mir unbekanntes Singen. Um uns herum tiriliert es laut und lauter. „Das sind die Männchen der Feldlerche, die jetzt langsam aktiv werden“, erklärt Biologe Rainer Borcherding, während wir über die kilometerlange Seebrücke Richtung Spülsaum laufen. „Du musst mal drauf achten, was sie tun.“ Ich beobachte, wie sich die Vögel immer höher in die Luft schrauben – es sieht aus wie ein kleiner Wettkampf. „So ist es auch“, sagt der Biologe. „Die Männchen wollen herausfinden, wer als Lautester und Stärkster aus dem Winter zurückgekehrt ist, und so um die Weibchen buhlen.“ Für uns Menschen ist dieses Verhalten nicht nur ein lustiges Schauspiel, sondern darüber hinaus vor allem ein klares Zeichen: Wenn die Feldlerche zu singen anfängt, wird es endlich Frühling!

Bernstein nach stürmischer Flut

Christoph Karrasch mit Biologe Rainer Borcherding und Bernsteinexperte Boy Jöns auf der Seebrücke (v. l.).

Christoph Karrasch mit Biologe Rainer Borcherding und Bernsteinexperte Boy Jöns auf der Seebrücke (v. l.). © TA.SH

Sowieso gibt es allerhand zu entdecken an St. Peter-Ordings Strand. Neben Rainer Borcherding ist auch Boy Jöns auf unserem Spaziergang dabei. Er ist waschechter Eiderstedter und einer der letzten Schleswig-Holsteiner, der das Handwerk der Bernsteinverarbeitung beherrscht. „Mein Vater hatte einst seine Leidenschaft fürs Bernsteinsuchen mit einem kleinen Laden zum Beruf gemacht. Den habe ich dann irgendwann übernommen.“ Inzwischen ist aus dem Geschäft das Bernsteinmuseum St. Peter-Ording geworden.

Bernstein am Strand von St. Peter-Ording.

Bernstein am Strand von St. Peter-Ording. © TA.SH

Um Bernstein zu finden, ist Boy Jöns regelmäßig am Strand unterwegs – aber nur bei bestimmten Voraussetzungen. „Es muss eine stürmische Flut gegeben haben“, erklärt der Experte. „Nur dann wird Bernstein freigespült. Er liegt bei ruhiger See nämlich tief auf dem Grund, weil er nicht schwimmen kann.“ Nach der Flut fließt der begehrte Stein wieder zurück, liegt aber nicht mehr so tief wie vorher. Nach ein oder zwei weiteren Fluten ist er dann frei am Strand auffindbar.

Boy Jöns`üppiger Bernsteinfund kurz vor dem Jahreswechsel.

Boy Jöns`üppiger Bernsteinfund kurz vor dem Jahreswechsel. © TA.SH

Um die Pointe gleich vorweg zu nehmen: Wir haben an diesem Tag kein Bernsteinglück. Die Voraussetzungen waren nicht entsprechend. Boy Jöns hat aber einige dicke Klopper dabei, die er allesamt kurz vor Silvester gefunden hat – und so kann ich mir zumindest vorstellen, wie es aussieht, zwischen all dem angespülten Treibgut ein paar der cognacfarbenen Steine zu finden.

Beach Explorer: Die App fürs Stranderlebnis

Rainer Borcherding schaut währenddessen lieber nach lebendigen Fundstücken. Er arbeitet als studierter Biologe für die Schutzstation Wattenmeer an der Nordsee. Ein echter Naturbursche, könnte man meinen – und doch zückt Rainer alle Nas lang sein Smartphone. „Im Laufe der Jahre ist uns immer bewusster geworden, dass es neben diesem echten Leben hier draußen auch noch die wichtige Parallelwelt ‚Internet’ gibt, die wir bedienen müssen“, erklärt Rainer. So entstand die Idee einer Art Lern-App, mit deren Hilfe Menschen am Strand unterwegs sein und ihre Funde bestimmen lassen können. Dank des Beach Explorer seien viele jetzt bewusster unterwegs. „Die Menschen schauen genauer hin, was ihnen am Strand zu Füßen liegt – das ist toll!“ Gleichzeitig hilft die App auch der Schutzstation, Funde zu lokalisieren. Jeder kann mithelfen und per Beach Explorer Dinge melden, die er gefunden hat.

Beach Explorer App DetailansichtBeach Explorer AppIch entdecke ein schwarzes, muschelartiges Gebilde auf dem weichen Sandboden und greife zu. Jetzt bin ich dran mit bestimmen. Die App führt mich mit konkreten Fragen zum Ziel: Hat es Haare oder Federn? Ist es ein Schalentier? Oder ein Gewächs? Ist es ein sonstiges seltsames Ding? So navigiere ich mich während meines Bestimmungsversuchs durch die App, bis ich mir sicher bin, dass es sich bei meinem Fund um die Europäische Auster handelt. Richtige Antwort, 100 Punkte!

Die Siegerpose

Die Siegerpose © TA.SH

„Da du noch App-Anfänger bist, muss dein Fund noch von uns verifiziert werden“, erklärt Rainer Borcherding. Dazu lade ich ein Foto von der Auster in der App hoch und lasse sie von den Profis im Büro freischalten. Je mehr Funde ich melde, desto mehr Punkte sammele ich – und irgendwann kann ich dann selbst den Fortgeschrittenen- oder Expertenstatus erlangen und gemeldete Funde freischalten. Eine tolle, interaktive Sache!

Strandreinigung – SPO klart auf!

St. Peter-Ording klart auf - eine tolle Aktion! © Tourismus Zentrale St. Peter-Ording

SPO klart auf – eine tolle Aktion! © Tourismus Zentrale St. Peter-Ording

Leider habe ich während unseres Strandspaziergangs hier und da auch ein bisschen Müll liegen sehen. „Das bleibt nie ganz aus“, sagt Boy Jöns. „Vieles davon wird angespült und verfängt sich hier.“ Deshalb finden in St. Peter-Ording jedes Jahr – zusätzlich zu den täglichen Säuberungen während des Sommers – zwei öffentliche Strandreinigungsaktionen statt. Jeder ist herzlich eingeladen, sich bei „SPO klart auf!” zu beteiligen. Veranstalter ist die Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording mit vielen Kooperationspartnern. Das nächste Mal ist es – pünktlich zum Start der Sommersaison – am 8. April soweit. Als Dankeschön wird nachher mit allen im Dünen-Hus gegrillt und dabei die außergewöhnlichsten Fundstücke gekürt. Weitere Termine für Beach-Clean-Ups in ganz Schleswig-Holstein findet ihr hier. Viel Spaß beim Aufräumen – und wer weiß: Vielleicht liegt euch ja plötzlich sogar ein Stück Bernstein vor den Füßen. Ich drück die Daumen!

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