Spargelstechen mit Herzogin Elin I.

unterwegs im Herzogtum Lauenburg

Mitte April im Herzogtum Lauenburg, ich bin ein bisschen aufgeregt. Erstens werde ich heute zum ersten Mal in diesem Jahr Spargel essen. Zweitens werde ich sogar zum ersten Mal in meinem Leben selbst Spargel stechen. Und drittens trifft man nicht jeden Tag eine Adelige.

Hofladen und Café Kaiser in Salem. © Christoph Karrasch

Hofladen und Café Kaiser in Salem. © Christoph Karrasch

Ich sitze mit dem Rücken zur Tür des Kaiserhofs im lauenburgischen Salem, als mir mein Tischnachbar unauffällig zu verstehen gibt: „Da kommt sie.“ Dann drehe ich mich um und sehe sie in ihrer traditionellen, grün-weißen Tracht und mit Zepter in der Hand auf mich zukommen. „Hi, ich bin Elin“, sagt sie. Genau genommen müsste sie sich mit „Elin die Erste“ vorstellen, so lautet nämlich ihr offizieller Name.

Die Spargelsaison ist eröffnet!

Das Café im Kaiserhof. © Christoph Karrasch

Das Café im Kaiserhof. © Christoph Karrasch

Das Herzogtum Lauenburg beherbergt das größte Spargelanbaugebiet Schleswig-Holsteins. Da verwundert es nicht, dass sich unser südöstlichster Kreis eine eigene Regentin leistet – Elin Lippert ist Lauenburgs amtierende Spargelherzogin. Unser Treffen ist nicht der erste Termin der 19-Jährigen an diesem Tag. Heute Vormittag war sie bereits für den offiziellen Spargelanstich des Jahres in Geesthacht zu Gast. Das ist meist ein großes Event mit vielen Fragen von Journalisten und viel Lächeln für die Fotografen. Elin ist also schon in Übung und stört sich nicht an meinem Fragengewitter: Wie wird man Spargelherzogin? Wie lange dauert so eine Amtszeit? Was macht eine Spargelherzogin außerhalb der Saison? Wie sticht eigentlich der Profi Spargel?

Die ersten zarten Spargelköpfe schauen bereits aus der Erde. © Christoph Karrasch

Die ersten zarten Spargelköpfe schauen bereits aus der Erde. © Christoph Karrasch

Vor allem letzteres möchte Elin mir gerne da zeigen, wo es passiert: auf dem Feld. Familie Kaiser betreibt neben ihrem Hofladen und -café auch eigene Felder, auf denen im Frühjahr der Spargel gestochen wird. Hofchef Jürgen Kaiser fährt uns in seinem riesigen Pickup zum Ort des Geschehens. Währenddessen erfahre ich ein bisschen mehr über meine adelige Begleitung. „Für die Ernennung zur Spargelherzogin gibt es keinen großen Wettbewerb oder so etwas“, erzählt Elin. „Meine Eltern sind mit einem Spargelbauern aus der Gegend befreundet. So kamen sie auf die Idee, dass ich die nächste Herzogin werden könnte. Ich hatte Lust drauf, also ging es los.“ Im bürgerlichen Leben macht Elin eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement – ihr Arbeitgeber ist stolz auf seine prominente Mitarbeiterin.

Wenn man tief genug gegraben hat, kommt das Spargelmesser zum Einsatz. © TA.SH

Wenn man tief genug gegraben hat, kommt das Spargelmesser zum Einsatz. © TA.SH

Während ihrer zweijährigen Amtszeit hat Elin vor allem repräsentative Aufgaben: Sie tritt bei Spargelfesten auf lauenburgischen Höfen auf, steht bei Fragen zum Thema Spargel Rede und Antwort – und hilft Anfängern wie mir bei ihren ersten Gehversuchen mit dem wuchtigen Spargelmesser.

Kleine Spargelkunde: Tief graben, schräg stechen

„Ich habe mir extra für den Anstich neue künstliche Fingernägel aufgeklebt“, sagt Elin lachend. „Das ist praktisch zum Graben.“ So geht das Spargelstechen nämlich los. Man orientiert sich an den Spargelköpfen, die aus der Erde ragen, und gräbt mit den Händen an der Stange entlang nach unten. „Ungefähr 30 Zentimeter tief“, erklärt Elin. Mindestens 23 Zentimeter muss der Spargel nämlich haben, damit er nachher maschinell zugeschnitten werden kann.

Spargelherzogin Elin I. hält ihr Zepter in der Hand, ich meine erste selbstgestochenen Spargelstangen. © TA.SH

Spargelherzogin Elin I. hält ihr Zepter in der Hand, ich meine erste selbstgestochenen Spargelstangen. © TA.SH

Dann bin ich dran und lege Hand an das Spargelmesser, das ich etwas schräg an die Stange ansetze. Mit einem beherzten Hieb steche ich zu. Und siehe da: Schon habe ich meinen ersten selbstgestochenen Spargel in der Hand. „Den könnten wir sogar verkaufen“, ruft Jürgen Kaiser zu uns rüber. Ein bisschen stolz macht mich das Profiurteil schon. Ob sie schon weiß, wie lange sie noch Spargelherzogin bleiben möchte, frage ich Elin beim anschließenden Spargelessen im Kaiserhof. „Ich werde wahrscheinlich noch eine Amtszeit dran hängen“, sagt sie und muss schließlich grinsen. „Es ist ein ziemlich guter Job. Ich werde bei jedem Auftritt gefragt, ob ich noch etwas Spargel mit nach Hause nehmen möchte.“ Und wer kann dazu schon nein sagen?

So wird der Spargel im Kaiserhof Salem serviert. © Kaiserhof Salem

So wird der Spargel im Kaiserhof Salem serviert. © Kaiserhof Salem

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