Vom Watt durch die Marsch bis (fast) nach Mexiko

ist mit dem Fahrrad an der Nordsee unterwegs

Die Sonne strahlt, als mein Freund und ich uns in Husum mit Getränken für unsere Radtour eindecken. Ich hüpfe noch schnell in die Touristinfo, um eine Karte zu besorgen und finde außerdem eine Broschüre mit Tagesradtouren in die Umgebung. Einige klingen wirklich interessant, wie beispielsweise die Schimmelreiter-Route oder die Sturmflut-Tour. Aber unsere Route steht schon fest!

© Annika Meyer-Strüvy

Die Nordsee: Auch bei Ebbe sehenswert! © Annika Meyer-Strüvy

Zuerst geht es durch die hübsche, wuselige Innenstadt Husums in Richtung Nordwesten nach Schobüll, denn wir wollen einen Blick auf das Meer werfen und die Füße ins Wasser halten, bevor wir uns ins Binnenland aufmachen. Uns erwartet aber kein Wasser – dafür Schlick, so weit das Auge reicht. „Kladdermatsch“, sage ich enttäuscht. Es wäre schlau gewesen, vorher die Gezeiten zu checken… Auf dem Steg hinter dem Campingplatz „Seeblick“ tummeln sich trotzdem Leute. Wir setzen uns dazu, verzehren unseren Proviant und beobachten zwei junge Männer, die sich – im wahrsten Sinne des Wortes – eine Schlammschlacht leisten. Ein blonder Junge spielt ein Stück weiter selbstvergessen im Schlick, die Beine bis zu den Knien versunken. Ein kleines Mädchen läuft nach wenigen Schritten im Watt lieber wieder zurück, um sich an der Dusche das schwarzgraue Zeug abzuwaschen. Alle scheinen an dem Schlick fast mehr Spaß zu haben als am Wasser.

Marienkirche in Hattstedt © A. Meyer-Strüvy

Marienkirche in Hattstedt
© A. Meyer-Strüvy

Versöhnt besteigen wir wieder die Räder, es geht vorbei an der Kirche, weiter nach Hattstedt. Hier bestaunen wir die weithin sichtbare Marienkirche, die bereits um 1200 entstand und bis heute den Schiffen als Orientierungspunkt dient. In dem romanischen Gebäude aus Feldsteinen heiratete Theodor Storm seine zweite Frau Dorothea Jensen und auf dem Friedhof liegt der Deichgraf begraben, der Vorbild für die Figur in seinem „Schimmelreiter“ war. Auch die hübschen Reetdachhäuser in diesem beschaulichen Bauerndorf versetzen mich in Verzücken. Ich könnte mir gut vorstellen, hier zu wohnen…

Reetdachhaus in Hattstedt © A. Meyer-Strüvy

Reetdachhaus in Hattstedt © A. Meyer-Strüv

Aber wir wollen ja durch die Marsch, und so reiße ich mich los und wir radeln weiter Richtung Norden, über die Bahnschienen neben dem alten Bahnhof und dann links ab, immer den Fahrrad- und Reitwegweisern nach Bohmstedt folgend. Es ist herrlich hier! So viel Ruhe, Weite und Sonnenschein. Kein einziges Auto begegnet uns, nur ein alter Hofhund liegt mitten auf dem Weg im Schatten einer großen Kastanie. Er ist zum Glück friedlich und macht bereitwillig Platz, als wir uns nähern. Auch der Wind ist heute zahm, er sorgt nur ab und zu dafür, dass ein leiser Hauch die Hitze erträglich macht.

© Annika Meyer-Strüvy

Herrlich! Radfahren im Grünen © Annika Meyer-Strüvy

Kurz vor Bohmstedt kommen uns ein paar weitere Radfahrer entgegen, wir sind also doch nicht allein hier draußen. Wir folgen der Hauptstraße nach links und kommen nach Almdorf, wo uns ein großes Schild den Weg zum Café Hacienda weist. Inzwischen lechzen wir nach kalten Getränken und Essen. Almdorf ist klein und niedlich, es gibt eine Skulpturenschmiede, aber das Café stellt die Hauptattraktion dar. Ein Hauch von Mexiko in Nordfriesland, das müssen wir sehen! Uns erwarten ein riesiger, mit Palmen ausgestatteter Gastraum und eine zum Teil überdachte Außenterrasse, alles im Hacienda-Stil gehalten. Dazu knallt die Sonne vom Himmel, sodass wir uns lieber in den Schatten setzen. Würde an einigen der anderen Tische nicht Platt geschnackt und liefen nicht deutsche Schlager, könnte man sich tatsächlich irgendwo in Mexiko wähnen. Es gibt ein Tortenbuffet und Kaffee, aber ich stärke mich lieber mit einem riesigen Früchte-Eisbecher, bevor es auf zur letzten Etappe nach Bredstedt zum Bahnhof geht.

Skulpturenschmiede in Almdorf © Annika Meyer-Strüvy

Skulpturenschmiede in Almdorf © Annika Meyer-Strüvy

Müde und zufrieden sitzen wir neben unseren Fahrrädern im Zug. Insgesamt haben wir heute 35 Kilometer zurückgelegt und auf unseren Gesichtern hat die Sonne ihre Spuren hinterlassen. Wir sind uns einig: Das war ein Urlaubstag an der Nordsee zum Gewöhnen, ohne Wasser zwar, dafür aber mit reichlich Ruhe, Entspannung und ein bisschen exotischem Flair. Am Liebsten wären wir länger geblieben. Fahrradfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auch hier draußen: In Hattstedt den Hof Kornmaas, in Hattstedtermarsch bei Jennyfer Clausen, in Drelsdorf die Privatvermietung Grünberg und in Breklum-Riddorf die Pension Christiansen.

 

 

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