Von Gärtnern, Bio-Bauern und einer Reise zu den Sternen

Auf dem größten Ökolandmarkt Deutschlands mit

Wie auf einem romantischen Landschaftsgemälde leuchtet Schloss Gottorf schon von Weitem durch das Grün. Lange Schlangen am Eingang – das gute Wetter zieht Besucher aus ganz Norddeutschland und Dänemark. Mein Ziel: der Gottorfer Landmarkt. Außerdem sind heute zum Internationalen Museumstag die Türen aller Ausstellungen und Sammlungen gratis für Besucher geöffnet.

Die Schleswiger Schlossinsel. © TA.SH

Die Schleswiger Schlossinsel. © TA.SH

Deutschlands größter Ökolandmarkt findet bereits zum 16. Mal rund um das Schlossgebäude statt – mit mehr als 130 Ausstellern aus den Bereichen Biolandbau, Öko-Wissenschaft, Kunsthandwerk, Gartengestaltung und erneuerbare Energien. Über 15.000 Besucher werden erwartet; am Ende sind es sogar rund tausend mehr. Der Flyer, den ich am Eingang erhalte, enthält alle Informationen über Aussteller und Programm. Wohin zuerst? Ich habe die Qual der Wahl, entscheide mich für einen Bummel übers Gelände in Richtung Barockgarten und Globushaus und lasse mich überraschen.

Urspargel mit lila Spitzen. Lecker! © TA.SH

Urspargel mit lila Spitzen. Lecker! © TA.SH

Ich gehe am Öko-Mitmach-Dorf vorbei, der „Kinderküche on Tour“ und den feinheimisch-Ständen. Der Verein zur Bildung und Förderung regionaler Ess-und Genusskultur ist in diesem Jahr zum ersten Mal als Partner des Landmarktes mit mehreren Ständen vertreten. Mein Blick fällt auf Spargel mit lila Spitzen. Mhh. Lecker. Spargelzeit. Ich darf sogar probieren: Frisch, knackig, nicht holzig und – überraschend – im Abgang süß schmeckt er. Von Spargelbauer Heinrich Hock erfahre ich, dass dieser „Urspargel“ ohne Namen aus dem Badischen stammt und bei Süderlügum nahe der deutsch-dänischen Grenze angebaut wird. Die lila Spitzen seien, wie der süßliche Nachgeschmack, beim marktüblichen Spargel weggezüchtet worden, erzählt er. Schade, wie ich finde, denn so sieht das edle Gemüse sehr hübsch aus.

Schönes für Zuhause: Korbwaren. © TA.SH

Schönes für Zuhause: Korbwaren. © TA.SH

Hübsch sind auch die Korb- und Keramikwaren, die ich auf dem Kunsthandwerkermarkt entdecke. Doch es gibt nicht nur Dekoratives: Viele Besucher tragen Taschen mit Tomaten- und Erdbeerpflanzlingen, Kräutern und Stauden oder anderen Bioprodukten. Bio-Pflanzen für den eigenen Garten sind heute heiß begehrt! Auch bei mir, denn ich halte Ausschau nach ungewöhnlichen Zucchini-Sorten, und habe Glück: Bei Kräuter-Simon ergattere ich eine weiße, sizilianische Sorte und eine Rundsorte aus Nizza. „Das war einfach“, denke ich, „ganz anders als früher“.

Aufwendig und sehr kostspielig muss es gewesen sein, die rund 1.200 exotischen Pflanzen nach Schleswig zu transportieren, die den Gottorfer Barockgarten im 17. Jahrhundert als botanische Sensation berühmt machten. Die einstige Bedeutung ist für Besucher heute wieder erlebbar: Zum Beispiel bei einem Spaziergang durch die rekonstruierte Gartenanlage, die sich über 30 Höhenmeter und fünf Terrassen erstreckt.

Führt kenntnisreich durch den Globusgarten: Karen Asmussen-Stratmann. © TA.SH

Führt kenntnisreich durch den Globusgarten: Karen Asmussen-Stratmann. © TA.SH

„Der Globusgarten ließ sich anhand einer Pflanzliste von 1655 authentisch gestalten“, erzählt Museumsmitarbeiterin Karen Asmussen-Stratmann bei der Gartenführung. Aus dieser Zeit seien 20 sogenannte „Stinzepflanzen“ erhalten, verwildernde Frühjahrsblumen, wie Storchenschnabel und wilde Himbeere. Dort, wo historische Unterlagen fehlen, sind Rasenflächen gepflanzt, umgeben von Buchsbaum. Da dieser leider von einem Pilz befallen wurde, ersetzten ihn die Landschaftsgärtner an vielen Stellen durch Eibe oder Thymian. Das wiederum ist eine schöne Idee für den eigenen Garten.

Eines der bekanntesten Sternbilder bis heute: Der "Große Bär". © TA.SH

Eines der bekanntesten Sternbilder bis heute: Der “Große Bär”. © TA.SH

Detailgetreu rekonstruiert das Globushaus: Der Gottorfer Globus zeigt über 1000 Fixsterne; Sternbilder wie den „Großen Bären“, die einst Reisenden zu Land und zu Wasser Orientierung gaben. Eindrucksvoll ist die Genauigkeit der Land- und Himmelskarten des „ersten Planetariums Europas“ – ebenso beeindruckend wie die Tatsache, dass sie bis heute gelten: Sie basieren auf den Forschungen von Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Tycho Brahe.

Beeindruckend: der Sternenhimmel im Gottorfer Globus. © TA.SH

Beeindruckend: der Sternenhimmel im Gottorfer Globus. © TA.SH

Noch 1633 – vor Errichtung des ursprünglichen Globushauses – musste Galileo Galilei leugnen, dass die Erde sich um die Sonne dreht, um nicht auf dem Scheiterhaufen zu landen! Doch genau dieser Fortschrittsgedanke von Herzog Friedrich III. und seinem Hofgelehrten Adam Olearius führten zu dem Ruf des Gottorfer Hofes als wissenschaftliches und kulturelles Zentrum seiner Zeit. Dafür steht auch die fünf Meter hohe Herkules-Statue im Herkulesteich, mit der sich der Herzog selbst ein fürstliches Denkmal gesetzt hat.

Wer Glück hatte, konnte einen Blick auf das Seeadlerpaar und seine beiden Jungen werfen. © TA.SH

Wer Glück hatte, konnte einen Blick auf das Seeadlerpaar und seine beiden Jungen werfen. © TA.SH

Nach der Gartenführung möchte ich unbedingt noch einen Blick auf die Seeadlerjungen werfen, die seit Kurzem wieder gegenüber der Schlossinsel nisten. Das ist nicht nur wegen der Lage etwas Besonderes: Seit über 100 Jahren brüten zum ersten Mal wieder Seeadler in der Schlei-Region. „Der letzte Adler wurde Ende des 19. Jahrhunderts geschossen“, berichtet Günter Kalin von der Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein. „Die Population hat sich seit Mitte der 1970er Jahre wieder erholt. Jetzt suchen die Paare sich neue Nist- und Brutreviere“, erläutert er. Drei Spektive stehen für Interessierte bereit. Neugierig schaue ich zum Horst, doch die beiden Jungen spielen Verstecken. Schade! Aber es ist schön zu sehen, dass der Landmarkt auch eine Bühne für Tier- und Naturschutzverbände bietet.

Apropos Bühne: Dort läutet gerade das Duo „Central Park“ mit Simon-and-Garfunkel-Hits das Ende des Bühnenprogramms ein. „So schnell verging die Zeit“, denke ich, und mache mich auf zum Bahnhof. Mit „Mrs. Robinson“ im Ohr werfe ich einen Blick zurück: auf das strahlend weiße Schloss auf der grünen Schlossinsel. Ein ganz besonderer Ort!

 

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