Von Menschen und Schiffen

besucht das Elbschifffahrtsmuseum Lauenburg

Herbstblues? Für graue und neblige Tage habe ich für alle Ausflügler und Urlauber das neue Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg genauer unter die Glückslupe genommen. Mein Fazit vorab: Ein Besuch lohnt sich wirklich, auch bei gutem Wetter, dann einfach die Elbe entlangradeln und hier verschnaufen, erkunden und entdecken.

Ich heuere an! © Uwe von Schirp

Ich heuere an! © Uwe von Schirp

Wie der Name des Museums bereits sagt, dreht sich hier alles rund ums Thema Schifffahrt auf der Elbe, und die Menschen, die sie betrieben haben und betreiben. Kurz gesagt: Es geht um die Darstellung von menschlichen und technischen Kräften und Naturgewalten im weitesten Sinne.

Bereits fünf Minuten nach Beginn der Führung bin ich auch schon „interaktiv“: Ich sitze auf einem Heimtrainer und strample, was das Zeug hält. Der Kalorienverbrauch hält sich zwar in Grenzen, aber es mit einer imaginären Pferdestärke aufzunehmen, spornt mich an. Zwischen sportlich sein und körperlicher Schwerstarbeit liegen aber doch Welten, wie ich nur einen Raum später erlebe.

"Treideln" war alles andere als angenehme Arbeit. © Uwe von Schirp

“Treideln” war alles andere als angenehme Arbeit. © Uwe von Schirp

Hier legt sich unsere Begleiterin Petra Lepsien eine Art Zuggeschirr um und damit mächtig ins Zeug – so wie einst Mensch und Tier, um die mit Salz beladenen Kähne den Stecknitz-Kanal entlang zu „treideln“. „Besonders für Kinder und Jugendliche ist diese Mitmachstation ein tolles Erlebnis“, schmunzelt Petra Lepsien. Eine Etage höher versuche ich mich an einem Sack Korn und muss zugeben, als Hafenarbeiterin wäre ich definitiv nicht geeignet gewesen.

Zwischen strickenden Schiffersfrauen finde ich Vertragsinfos und Policen. © Uwe von Schirp

Zwischen strickenden Schiffersfrauen finde ich Vertragsinfos und Policen. © Uwe von Schirp

Ich drücke mir die Nase an den Scheiben der Großvitrinen mit den Modellschiffen platt. Hier sieht man die Entwicklung der schwimmenden Pötte vom Einbaum über Schub-, Schlepp- und Dampfschiffe bis hin zu den modernen Containerfrachtern. Bei der Spurensuche in Schubladen und hinter Türchen entdecke ich alte Karten, Stiche und Zeichnungen, Schiffsdaten, Ladepapiere und Versicherungspolicen. Klasse!

Wurde mit einer 740 Kilometer langen Kette betrieben: das laut rasselnde Kettenschiff. © Uwe von Schirp

Wurde mit einer 740 Kilometer langen Kette betrieben: das laut rasselnde Kettenschiff. © Uwe von Schirp

An einem funktionsfähigen Steuerrad aus Holz erprobe ich mich als Steuerfrau, begleitet von der Original-Stimme des Kapitäns der „Kaiser Wilhelm“. Im Nebenzimmer mischt sich das tönende Geschrei an Bord des Raddampfers mit dem Rasseln des Kettenschiffs, das zwischen 1866 und 1930 die Elbe rauf- und runtergezogen wurde. Auf 740 Kilometern Länge, ganz ohne eigenen Antrieb. Das Schiff war einst weithin hörbar – ein fast vergessenes Geräusch.

Lebendige Schiffertradition: Die "lustige Person" wird Ende Januar durch Lauenburg getragen. © Uwe von Schirp

Lebendige Schiffertradition: Die “lustige Person” wird Ende Januar durch Lauenburg getragen. © Uwe von Schirp

In Gedanken stimme ich „La Paloma“ an und erinnere mich an den Begriff „Treckbüddel“, den ich einen Raum zuvor gelesen habe. Das Synonym für „Schifferklavier“ und Akkordeon. Auch das gehört zur Ausstellung: Die Einblicke in das Leben und die Freizeit an Bord und noch aktiven Bräuche der Flussschiffer. Aber auch die Gefahren, die Ebbe und Flut sommers wie winters mit sich bringen, werden anschaulich dargestellt. Ich fühle mich mit jedem Raum immer mehr in die Zeiten der früheren Elbschiffer zurückversetzt, und bin mittendrin.

Raddampfer-Schiffsmodelle auf Augenhöhe. © Uwe von Schirp

Raddampfer-Schiffsmodelle auf Augenhöhe. © Uwe von Schirp

Apropos mittendrin: Der Duft von Diesel und Motorenöl im Gewölbekeller dürfte Jungen- und Männerherzen höher schlagen lassen. In blaues Licht gehüllt erwarten mich dort mehrere Dampfmaschinen und Dieselmotoren – davon einige sogar funktionstüchtig! Diese Sammlung ist deutschlandweit einmalig. Petra Lepsien wirft das Herzstück des Raumes an, eine Dampfmaschine mit oszillierenden Zylindern von 1855.

Nach 113 Jahren auf dem Wasser tut das Wunderwerk der Technik hier im Museum seinen Dienst; in nicht weniger als 10.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden hergerichtet und installiert. Was für eine bemerkenswerte menschliche wie technische Höchstleistung, wenn man bedenkt, wie schwer die Motoren sind und dass dazu die Kellerwand durchbrochen werden musste, um die schweren wie großen Schiffsteile zu platzieren.

Mit einer Eisenstange wurde früher dieser Motor angeschoben. © Uwe von Schirp

Mit einer Eisenstange wurde früher dieser Motor angeschoben. © Uwe von Schirp

Das nächste Mal werde ich auf jeden Fall auch an Bord des Museumsdampfers „Kaiser Wilhelm“ gehen. Die aktuellen Termine habe ich mir jedenfalls schon vorgemerkt.

Mein Dank gilt Petra Lepsien, die mich mit viel Humor, dem Wissen rund um die Ausstellung und Geschichten aus der eigenen Familie so unterhaltsam und kundig geführt hat!

Übrigens: Wenn Sie mehr über die Schifffahrt in Lauenburg erfahren möchten – die Tourist-Information bietet dazu verschiedene Themen-Stadtführungen an.

2 Antworten

  1. Ein sehr gut geschriebener und beschreibender Beitrag über ein wirklich spannendes und erfrischend anders konzipiertes Museum. Nachher aber unbedingt noch das einzigartige Flair der Elbstraße genießen!

    • Vielen Dank für Ihre nette Rückmeldung, und den Tipp, Günter. Man sollte unbedingt Zeit mitbringen, um das Elbflair Lauenburgs zu genießen und die gemütlichen Cafés wie kleinen Lädchen zu erkunden.

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