Wüstentreck, Wattsafari und die Blaue Maus

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Der endlose Kniepsand © TA.SH

Zu gleichen Teilen Fichtennadelduft, Vogelstimmen, Puderzuckersand, ein großer Spritzer Freiheit und viel Weit-weit-weg-Gefühl: das ist mein himmelblauer Amrum-Cocktail. Mehr Himmelblau im Herzen, und das ganz in echt, geht einfach nicht. Gehört habe ich schon davon, vom seligen Seufzen und dem sehnsüchtigen Blick, wenn Menschen von ihrer Insel Amrum erzählen. Der endlose Kniepsand, die lichten Wälder, die weite Dünenlandschaft. Aber man muss selbst dagewesen sein. Frank Timpe ist unser Guide und Tourismuschef des Traum-Eilandes. Vor Wissen und „Zeigefreude” sprühend, legt er von ersten Sekunde an, meiner Kollegin, Andrea Bayer – unsere Marketingleiterin – und mir seine Insel ans Herz.

Hortensienträume auf Amrum

Hortensienträume auf Amrum © TA.SH

Mein Kopf ist bis zum Rand mit Bildern gefüllt: den rosa Hortensienhecken, die prächtiger sind als in jedem Garten auf dem Festland, den weißesten Muscheln und den kunterbuntesten Strandkörben von Pink, Knallgelb, Türkisblau bis Strandflieder-Lila. Manches davon kannte ich schon von Fotos, aber von der Himmelsleiter in den Dünen hat uns erst Kerstin Jöns vom Inselhotel (mein Tipp: klar das Zimmer „himmelblau”) erzählt, von Panchos Burg Frank und vom „Pisser”, einer handtellergroßen Flachmuschel, haben wir von Ulf, unserem Watt-Rancher, erfahren. Von diesen Meeresschätzen ist jetzt eine erkleckliche Menge in meinem Reisegepäck.

Kerstin Jöns vom Inselhotel

Kerstin Jöns vom Inselhotel © TA.SH

Und vom historischen Walfang-Tableau, einem berühmten Fliesengemälde, schwärmte uns die großartige Gastgeberin des Alten Kapitänshauses in Nebel vor. Das Kulturgut ist jetzt nach Irrwegen in ihrer Küche beheimatet. Wahnsinn! Wo fing eigentlich dieser unvergessliche aus der Zeit gefallene Tag noch gleich an? Wir radelten mit unseren Inselhotel-Gefährten zur Vogelkoje und enterten dann zu Fuß den Bohlenweg (auf Amrum gibt es 20 Kilometer davon) zum Quermarkenfeuer.

Wandgestaltung mit Historie: Walfang-Tableau auf Amrum

Wandgestaltung mit Historie: Walfang-Tableau auf Amrum © TA.SH

Das Grundrezept unserer Cocktailmischung finden wir genau hier. Die Heide blüht was das Zeug hält, eingerahmt von wildem Thymian, Kriechweide und Silbergras. Mini-klein zeichnet sich das rot-weiß-geringelte Türmchen des Leuchtzeichens ab und die makellose Schönheit der Amrumer Natur legt sich wie ein Weichzeichner auf meine Stresshormone, die sich sofort in pures Glück verwandeln.

Dünensommer auf Amrum

Dünensommer auf Amrum © TA.SH

Und dann stehen wir ganz oben auf dem Aussichtsturm und unter mir sind ein Fjord aus Sand und das tintenblaue Meer am Horizont. „Ist es weit bis zum Meer?”, frage ich mit dem dringenden Wunsch in der Stimme, genau da hin zu wollen, unseren Frank, den ich schon so lange kenne, wie ich hier in Schleswig-Holstein bin. „Naja, mindestens 20 Minuten einfache Strecke”, erwidert er launig. Na, dann los! Ich möchte den feinen weißen Sand zwischen den Zehen spüren und Engelsflügel sammeln.

Engelsflügelchen

Engelsflügelchen © TA.SH

Diese weißen Muscheln, die es mir seit gestern Abend auf dem rotarischen Künstlerfest so angetan haben. Künstler Peter Lückel hat das Strandgut in Rahmen gefüllt. Klasse Idee! Jeder, der einen festen Platz in meinem Leben hat, weiß, dass mein Sammlerherz für Muscheln und Treibholz schlägt. Die Strandtour ist ein echter Wüstentreck. Amrum mit seinen 15 Kilometern Strand macht es selbst, wenn die Insel rappelvoll ist, möglich, am Strand, in den Dünen oder im Watt alleine für sich zu sein und sich wie auf seiner eigenen Scholle zu fühlen. Schnitt!

Auf geht's ins Watt!

Auf geht’s ins Watt! © TA.SH

Wir treffen Ulf Jürgensen, im wirklichen Leben Herbergsvater der einmalig gelegenen Jugendherberge in Wittdün. Sein Hobby ist das Meer, er ist Wattführer mit Nationalparkdiplom. Ein Profi durch und durch! „Die Natur spürt man mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf”, philosophiert er im Brustton der Überzeugung, während wir zwei Mädels bei unserer ersten Wattwanderung aufgeregt unsere Fragen loswerden. Piraten-der-Karibik-mäßig ist das Ziel mitten im Wattenmeer die Sandbank zwischen Amrum und Föhr, genannt Kormoraninsel. Ob wir uns zwei Stunden Wanderung zutrauen, fragt Ulf, der Zwei-Meter-Hüne, gewissenhaft. Wir nicken eifrig, ohne zu wissen, welches Abenteuer auf uns wartet.

Wattsafari

Wattsafari © TA.SH

Alles hat Ulf haargenau getaktet, da wir ja vor der Flut auf der Sandbank sein müssen und doch so spät, dass Boyens Schlauchboot so viel Wasser unter dem Kiel hat, uns aufzusammeln. Eine Schwäbin (Andrea Bayer) und eine Oberbayerin (ich) strahlen. Genau das ist es! Unsere Trüffelschweinchen-Gene kommen in Wallung.

Wattwurmbuddelei

Wattwurmbuddelei © TA.SH

Das muss jeder Gast im echten Norden erleben: nach Wattwürmern buddeln, mit der Mistgabel, die hier Forke heißt, durch Priele waten bis selbst die kürzesten Shorts zur Badehose werden.

Wilde Austern im schleswig-holsteinischen Wattenmeer

Wilde Austern im schleswig-holsteinischen Wattenmeer © TA.SH

Die wilden Austern lassen wir links liegen. Wir gehen weiter in die Unendlichkeit des Weltnaturerbes und sind hier sowas von mittendrin. Bar sind die Füße und mein Kopf. Unser Wattkenner gibt das Tempo vor und wir sehen uns satt am Watt. Die Serengeti und die Galapagos Inseln spielen mit dem Wattenmeer in der gleichen Liga. Jetzt ist uns das klar.

 

Glückspicknick auf der Kormoraninsel

Glückspicknick auf der Kormoraninsel © TA.SH

Wir kommen auf unserer Sandbank an: Babyrobben, Muschelfelder, 360-Grad-Blick und Ausrasten. Ulf packt Sekt und Orangensaft aus, wir nippen, spüren und schmecken das Himmelblau. Und wollen wieder mal und diesmal unbedingt bleiben! Genau hier! Aber es geht heim.

Kletterpartie

Kletterpartie © TA.SH

Wir klettern „per Anhalter in das Schlauchboot”; erst ganz sanft und dann im Speedboot-Tempo heizen wir zurück zur Inselheimat. Mein Amrum-Cocktail ist jetzt im Shaker. Getrunken wird er mit lieben Leuten oder, wie Hildegard vom Kiosk der Vogelkoje sagt, netten Menschenkindern, in der „Blauen Maus”, der Kultkneipe auf der Insel.

Ich fühle mich himmelblau, wie mein Amrum!

Echter Amrum-Kult

Echter Amrum-Kult © TA.SH

Epilog: Danke Amrum, danke Frank, dass wir Euch alle kennenlernen durften: Peter Kossmann vom Romantik Hotel Hüttmann, Ehepaaar Jöns von Mein Inselhotel, die Rotarier und Künstler auf der Veranstaltung „Künstler auf Amrum”, Ulf Jürgens unser Guide im Watt, Liane Kurfürst, die wunderbare Gastgeberin des Alten Kapitänshaus und das Ehepaar Droste, Stammgäste auf Amrum, mit denen wir so ganz privat die weltbeste Friesentorte von der Bäckerei Schult schlemmen durften, Christoph Decker vom Hotel „Ual Öömrang Wiartshüs” und die bunte Runde in der „Blauen Maus”. Wir sehen uns bald wieder! Versprochen!

Abendschnack in der "Blauen Maus" auf Amrum

Abendschnack in der „Blauen Maus” auf Amrum. © TA.SH

 

2 Antworten

  1. Euer Amrum reise Blog ist eine reinst Liebeserklärung wie sie treffender nicht ausfallen kann. Danke für die vielen Erinnerungen, die ihr nach 50 Jahren erster Amrumerfahrung und noch 15 Urlaube später in mir wachgerufen habt, nicht zuletzt, weil ich in der Blauen Maus meine Unschuld verloren habe. Ich freue mich das sie ebenso lebt wie unsere Amrumliebe.

  2. Ein sehr symphatisch geschriebener Blog. Ich drücken Ihnen, liebe Frau Gastager, die Daumen im neuen Job. Man merkt, Sie und Ihr Team kommen gut zurecht und bringen fröhliches Leben in die TASH. Weiter so!

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