Zwischen Ruhen und Aufbruch

unterwegs in Heiligenhafen

Grauer Himmel, ein heller Blitz über dem Meer – und eine sagenhaft schöne Landschaft, die vor dem Fenster vorbeizieht. Über Oldenburg geht es per Bus nach Heiligenhafen, dem nächsten Stopp unserer Tournee. Bei diesem Schmuddelwetter momentan erst einmal keine so erfreuliche Aussicht. Doch die Stadt soll mich schnell eines Besseren belehren. Der Regen trommelt auf die Markisen am Yachthafen und klingt erstaunlich bedrohlich für diesen kleinen Nieselregenschauer. In meine Regenjacke gehüllt spaziere ich an der Marina entlang in Richtung Erlebnis-Seebrücke. Sanft spüre ich den Regen in meinem Gesicht, höre das Klappern an den Masten der Segelschiffe, rieche die frische Meeresbrise. Ein tiefer Atemzug und schon liegt der Alltag hinter mir.

“Hallo!” – “Moin!” – “Ach ja, so sagt man ja hier. Nun war ich ein paar Tage in Dänemark… aber morgen habe ich das auch schon wieder drauf!” – Ich lächle in mich hinein.

Heiligenhafen-Schriftzug an der Sebrücke_klein

Die Erlebnis-Seebrücke in Heiligenhafen. © TA.SH

An der Spitze der Seebrücke stehend schaue ich auf die beeindruckende Weite. Zu meiner Rechten liegt der Graswarder, am Horizont ist bereits Fehmarn zu erkennen. Zu meiner Linken zieht sich der lange Sandstrand, über welchen sich die Regenfronten langsam schieben. Allein dieser Anblick ist den Spaziergang schon wert! Und scheinbar geht es nicht nur mir so: Vereinzelt hinterlassen auch andere Spaziergänger ihre Spuren im Sand – auch die BeachLounge ist erstaunlich gut besucht: In Strandkörben sitzen Urlauber und Einheimische und feuern unser WM-Team an, mit Erfolg, wie sich ja wenig später herausstellen wird.

In meiner Wahrnehmung ist das Tempo in Heiligenhafen deutlich ruhiger, die Menschen sind entspannter. In meiner Wahrnehmung. Wenn man allerdings Manfred Wohnrade hört, so geht der schöne Ostsee-Ort schon jetzt auf schnellen Schritten in die Zukunft: Überzeugende Konzepte und starke Partner werden schon bald die Tourismuslandschaft weiterentwickeln. Während Andrea Gastager, seit Anfang des Monats meine neue Chefin, und ich gemeinsam mit Herrn Wohnrade und seiner Kollegin Jessica Wenzel im Steak- und Pfannkuchenhaus “Zum Alten Salzspeicher”, dem zweitältesten Gebäude der Stadt, zu Abend essen, merken wir schnell eines: begeistertes Engagement für den Tourismus Heiligenhafens, für die Region, für das Land, das sich in beeindruckenden Modernisierungen manifestiert.

Moderne, komfortable Unterkünfte werden weitere Übernachtungsmöglichkeiten schaffen, neuen Gästen innovative Angebote durch einen deutlichen Ausbau der Infrastruktur zwischen Kommunalhafen, Yachthafen und Erlebnis-Seebrücke geboten. Das 3*Plus-Hotel “Meereszeiten” lässt so bereits erste Strukturen im Rohbau erkennen, welcher 82 Zimmern und Suiten sowie einem kleinen Spa-Bereich und einer Bar beherbergen wird. Ab Ende 2014 sollen hier bereits die ersten Gäste willkommen geheißen werden. Zudem entsteht mit dem “Strand Resort Heiligenhafen” bis 2015 auf 25.000 qm eine 5*-Ferienhaussiedlung, hochwertig ausgestattet, reetgedeckt und ergänzt um Dienstleistungs- und Gastronomie-Angebote. Und bis 2016 folgen mit dem “BeachMotel” ein mondänes, 4*-Superior Lifestyle Produkt sowie mit der “Bretterbude” eine stylische Budget-Unterkunft im Vintage-Stil mit “kleinen und XXL-Butzen”, die an die Hummerbuden erinnern, und Bulli-Parkplatz. Charmant und echt in Heiligenhafen.

Im Gespräch mit der Wasserschutzpolizei

Für einen kurzen Moment an Bord. © TA.SH

Die Eigenschaft “charmant” passt auch auf den Besuch des Kommunalhafens am kommenden Morgen. In aller Frühe begeben wir uns gemeinsam mit dem Fotografen Oliver Franke auf einen Spaziergang. Noch ist der Hafen ruhig, in ein weiches morgendliches Licht getaucht. Angler fahren hinaus, um die Kostbarkeiten der Ostsee zu fangen, und auch die Wasserschutzpolizei beginnt ihren Dienst, wie uns Herr Bahr erzählt. Schade, dass sie bis zum Abend unterwegs sein werden, sodass eine Mitfahrt für uns zeitlich nicht in Frage kommt. Aber beim nächsten Mal sind wir gern dabei!

Am Kommunalhafen der Stadt – hier liegt die größte Hochseeangelflotte Deutschlands. © TA.SH

Gemeinsam mit Manfred Wohnrade und Jessica Wenzel setzen wir unsere Tour durch Heiligenhafen per Rad fort. Auf dem Weg in Richtung Graswarder halten wir auf ein spontanes Pläuschchen bei der Fischhalle und erhalten wunderbare Einblicke in das Tagesgeschäft, das sich größtenteils durch frische Produkte aus der Region speist. Unglaublich, was hier an einem Tag alles serviert wird!

Nun aber fix weiter. Klaus Dürkop erwartet uns schon und mit ihm das wunderbare Naturschutz- bzw. Naturschatzgebiet Graswarder. Der ehrenamtliche NABU-Schutzgebietsreferent begrüßt uns auf der kleinen Terrasse hinter dem Haus, von der aus man einen traumhaften Blick auf das Naturschutzgebiet auf der Nehrung genießen kann. Ein weiterer Lieblingsplatz ist gefunden. Wir hören Sturmmöwen, Schwarzkopfmöwen und Seeadler, sehen die unter Schutz stehende Stranddistel, riechen echten Sellerie, schmecken die scharfe Pfefferkresse und den salzigen Queller – auf über 100 ha Landfläche findet sich hier eine beeindruckende Naturlandschaft, die seit über 40 Jahren auch unter Schutzaspekten die entsprechende Aufmerksamkeit erfährt. Von April bis Oktober werden zweimal täglich übrigens auch naturkundliche Führungen zur Kolonie angeboten und verdeutlichen, wie sich eine intakte Landschaft und der Tourismus ergänzen können.

Auf Fotosafari  im Naturschatzgebiet Graswarder

Auf Fotosafari im Naturschatzgebiet Graswarder. © TA.SH

Mit Ferngläsern um den Hals und den Ausführungen Herrn Dürkops lauschend, gehen wir den Graswarder in Richtung Osten entlang zum Beobachtungsturm.  Auch bei hohen Windstärken bewegt sich der Turm gar nicht – beruhigende Worte, die mich meine leichte Höhenangst überwinden lassen – und es lohnt sich. Sofern die bisherigen Anblicke hier überhaupt noch übertroffen und weitere Lieblingsplätze gefunden werden können: Diesen Platz sollte man sich merken, den Moment und die Stille genießen.

“Die Landschaft ist ein Geschenk. Sie wartet nur darauf, erobert zu werden – in Stille oder wilder Freude.” (aus dem Gastgeberverzeichnis Heiligenhafens)

Herr Wohnrade im Hamsterrad_klein

Mit sportlichem Einsatz zeigt uns Manfred Wohnrade das Wasserspiel auf der Seebrücke. © TA.SH

Wieder im Fahrradsattel setzen wir die Umrundung des Binnensees fort. Natürlich müssen wir bei diesem wunderbaren Sonnenschein auch die weit aufs Wasser hinausführende Seebrücke noch einmal erleben – und hier herrscht reges Treiben. Ob die Aussicht genießend am Geländer stehend, lesend auf einer der geschwungenen Bänke oder Liegen, aktiv im Hamsterrad am Wasserspiel, oder zum Heiraten – ein Erlebnis bietet die Brücke, die 2012 eröffnet wurde, für jeden. Über die Promenaden führt uns unser Weg um den Binnensee entlang des Steinwarders. Spaziergänger, Läufer und Radfahrer sind auf den Promenaden unterwegs, Standup-Paddler und Surfer auf dem Wasser nahe der Segelschule. Und bei Schietwetter? Spiel und Spaß, Sport und Spa, Shopping und Schlemmen im AktivHus.

Inzwischen hat sich der Hafen mit Menschen und Schiffen gefüllt. Das bunte Treiben und den Verkauf frisch vom Kutter genießen wir bei sehr gutem Essen und herzlicher Gastfreundlichkeit in “Wenigels Fährhaus”, dem mehrfachen Gewinner des Ostseegerichts. Ab Freitag, den 11. Juli, bieten hier die Heiligenhafener Hafentage Anwohnern und Gästen ein buntes Programm – ein Grund, ganz bald wiederzukommen!

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