Glückliche Menschen machen den Urlaub glücklich

unterwegs in Rendsburg und Umgebung

Schleswig-Holstein ist laut Glücksatlas das Bundesland mit den glücklichsten Menschen Deutschlands. Darum liegt es auf der Hand, dass auch der Urlaub hier viel Glück beschert. Gründe dafür sind sicherlich das Wasser, das herrliche Sehnsuchtsgefühle weckt, der frische Wind und die gute Luft, die hohen Himmel mit bauschigen Wolken, das nordische Licht (das seit Jahrhunderten Künstler dazu verleitet, sich hier niederzulassen) und die saftigen Felder. Neben all dem spielt aber vor allem noch Folgendes eine ganz wichtige Rolle: Wenn man hier Urlaub macht, begegnet man Menschen, deren Beruf Berufung ist. Das macht glücklich. Und Glück steckt an.

Wie ihre Westentasche,
so gut kennt Monika Heise, unsere Reisebegleiterin, Rendsburg und Umgebung: alles und jeden. Sie arbeitet seit 20 Jahren im Tourismus und ihr Liebling ist der Nord-Ostsee-Kanal. Kein Wunder! Auch wir sind Fans – davon berichtete gestern schon Andrea Gastager. Mit unserem Glücksküstenschnack-Mobil von Kiel kommend bin ich übrigens nicht den Vorgaben des Navi gefolgt, sondern vor Rendsburg rechts in Richtung Flensburg abgebogen. Warum? Weil der Weg so über die Radarhochbrücke und somit hoch über den Kanal führt. Das ist für mich jedesmal ein absolutes Highlight! Wie fliegen fühlt es sich an, nur dass man nicht vom Boden abhebt. Kurz darauf lande ich sanft in Rendsburg. In der Luft hängt ein leichter Rosenduft.

Liebe zum Detail im Design Hotel 1960

Liebe zum Detail im Design Hotel 1960 © TA.SH

Ein Kindheitstraum
wurde mit dem Design Hotel 1690 in Rendsburg verwirklicht. Das merkt man sofort an der ausgesprochenen Liebe zum Detail, mit der die Räume eingerichtet sind. Beim Frühstück fühlen wir uns heimisch wie im eigenen Wohnzimmer. Ganz ganz viel Liebe steckt auch im Service. Die Damen sind so nett, dass ich aus dem Dankesagen gar nicht mehr herauskomme. Draußen weht ein laues Sommerlüftchen. Wie schön! Wir starten in unseren Rendsburg-Entdeckungstag – für mich als Kulturexpertin der TASH ein Traum, denn die kleine Stadt bietet große Highlights und einzigartige Erlebnisse, an die ich noch lange denken werde.

Im Schifffahrtsarchiv Rendsburg gibt es viel zu entdecken

Im Schifffahrtsarchiv Rendsburg gibt es viel zu entdecken. © TA.SH

Geschichten von Seemännern
Durch hübsche Sträßchen mit Kopfsteinpflaster und Rosenbüschen laufen wir zu unserem ersten Stop, dem Schifffahrtsarchiv. Das Haus erzählt von der Geschichte des Nord-Ostsee-Kanals und allem, was mit der Schiffahrt darauf und darum zu tun hat. Es steckt voller interessanter Objekte und spannender Geschichten. Wer hat den Kompass erfunden*, warum tragen Piraten eine Augenklappe**, auf welchem Schiff wurde Philipp Rösler als Säugling nach Deutschland geschifft*** und unglaublich viel mehr. Wer davon erfahren möchte, der sollte absolut und unbedingt die Möglichkeit nutzen, sich vom Leiter des Hauses, Alfred Gudd, persönlich durch das Haus führen zu lassen! Wenn er erzählt, spürt man fast schon den Wind in den Haaren und im Herzen keimt die Sehnsucht nach abenteuerlichen Fahrten in die Ferne.

Die blaue Linie führt Besucher durch Rendsburg

Die blaue Linie führt Besucher durch Rendsburg. © TA.SH

Das Herz Schleswig-Holsteins
Rendsburg, ist das Bindeglied, das die beiden Landesteile Schleswig und Holstein miteinander vereint. Das wusste ich auch noch nicht. Es ist ein unglaublich nettes Städtchen und so richtig schleswig-holsteinisch gemütlich. Um es zu erkunden, kann man als Besucher der „blauen Linie“ folgen, die an den schönsten Orten vorbeiführt. Wir lassen uns aber heute nicht von der blauen Linie, sondern von ihrem Vater, dem Stadtführer Klaus-Dieter Flegel führen. Rendsburg ist historisch unheimlich reich. Neben der Altstadt mit schönen Häusern und Plätzen gibt es die Neustadt, auch Neuwerk genannt. Dahinter verbirgt sich keinesfalls eine Neubausiedlung, sondern eine barocke Stadterweiterung, deren Straßen strahlenförmig von einem großen, zentral gelegenen Paradeplatz abzweigen und nach den Tafelgedecken der damaligen Zeit benannt sind: Tulipanstraße, Lilienstraße etc.

Herr Krüger ist stolzer Besitzer einer Sammlung von 7218 kleinen Whisky Miniaturflaschen

Herr Krüger ist stolzer Besitzer einer Sammlung von 7218 kleinen Whisky Miniaturflaschen. © TA.SH

Missionar des Geschmacks
Mit 13 Jahren verbrachte Thomas Krüger schlaflose Nächte. Der Sohn von Rendsburger Feinkosthändlern wusste nicht: sollte er Rotwein oder Whiskysammler werden? Lange wog er die Vor- und Nachteile ab und begann dann mit 14 Jahren kleine Whiskyflaschen zu sammeln. Mit 21 Jahren trank er sein erstes Glas und war beglückt, dass das Objekt seiner Leidenschaft auch schmeckte. Heute ist er Kaufmann in vierter Generation. Er sammelt, produziert und verkauft und lehrt Whiskybanausen wie mich, schmecken zu lernen, die zahlreichen Aromen von Schokolade und Gewürzen zu erkennen und zu genießen. Für Whiskyliebhaber führt kein Weg an Krügers Whiskygalerie in Rendsburg vorbei. Von den kleinen Flaschen besitzt er inzwischen 7218 Stück, darunter Unikate, von denen auf der ganzen Welt nur 100 Stück existieren. Aber selbst Abstinenzler werden unweigerlich begeistert sein, denn Begeisterung steckt an, gehört ja zum Glück dazu. Die Geschichten, die Herr Krüger über Whisky erzählt, sind spannend, lustig und sogar historisch sehr aufschlussreich. Z.B. durfte Whisky unter Hitler nicht mehr Whisky genannt werden und hieß fortan „Rauchkorn“. Und wer hätte gedacht, dass der beste Ort zum Whisky trinken nicht die schottischen Highlands sind sonder Tokyo? Ich nicht! Zum Glück müssen wir aber so weit nicht reisen, nach Rendsburg sind es von Kiel aus nur 40 km. Unter der Galerie befindet sich übrigens ein ausgezeichneter Feinkostladen – den bereits seine Eltern und davor die Eltern der Eltern geführt haben und indem nun sein siebenjähriger Sohn beginnt, in fünfter Generation Bestellungen aufzugeben.

Kultur in Aktion: die NordArt bietet tolle Fotomotive

Kultur in Aktion: die NordArt bietet tolle Fotomotive © TA.SH

Die ganze Welt in Büdelsdorf
Industriekultur präsentiert sich auf der NordArt auf ganz besondere Weise, nämlich im Kontrast mit Unmengen an zeitgenössischer Kunst aus aller Welt. Ich habe davon bereits mit Begeisterung im Kulturreisetagebuch berichtet. Diesmal werden wir von den Mäzenen Frau und Herr Ahlmann persönlich geführt. Die brennen ebenso für ihre Sache wie unser Whiskyexperte. Herr Ahlmann schimpft, weil wir die Christkirche nicht besucht haben, die man doch gesehen haben muss! Auf dem Foto ist zu sehen, wie ich meine Bauchmuskeln trainiere, weil sich dieser Ort so hervorragend anbietet, tolle Bilder zu machen. Mehr hierzu gibt es von Andrea Gastager, die jetzt nicht nur NOK-, sondern auch ganz großer NordArt Fan ist.

Das Nordkolleg ist eine Oase, in der viel kreatives Treiben herrscht

Das Nordkolleg ist eine Oase, in der viel kreatives Treiben herrscht. © TA.SH

Eine Oase kulturellen Schaffens
Das Nordkolleg ist der Ort, den ich wohl am häufigsten für Termine aufsuche und immer gerne. Noch lieber im Sommer, denn der Garten ist eine wahre Inspirationsquelle, wenn man im Grünen und umweht von Blumenduft mit den vielen Klangskulpturen spielen kann. An erster Stelle handelt es sich beim Nordkolleg um eine kulturelle Bildungsstätte mit reichhaltigem Angebot in den Fachbereichen Musik, Kommunikation & Medien, Sprachen, Literatur und KulturWirtschaft. Kurse werden von Schleswig-Holsteinern ebenso wie von Teilnehmern aus ganz Deutschland und dem Ausland besucht. Sie bekommen ein Allround-Paket: Kurs, Unterkunft und Verpflegung zu Preisen, die dem Auftrag der kulturellen Teilhabe gerecht werden. Die Stimmung hier ist eine ganz ungewöhnliche. Das liegt auf der einen Seite daran, dass alles voller Kreativität ist. Und zum anderen daran, dass alle die hier arbeiten, vom Koch bis zum Fachbereichsleiter, sich mit ihrer Arbeit und dem Ort identifizieren und jeder als gleich wichtig angesehen wird. Das spürt man auch als Besucher sofort und fühlt sich darum ein bisschen wie zuhause.

Vielleicht ein verzauberter Prinz?

Vielleicht ein verzauberter Prinz? © TA.SH

Ein zauberhafter Moment
Nach einem heftigen Regenschauer begeben wir uns auf die letzte Etappe, bzw. teilen uns auf, da die Zeit knapp ist. Ich verzichte auf den Kuchen, um statt dessen eine Schleuse des alten Eiderkanals, dem Vorgänger des Nord-Ostsee-Kanals, zu besuchen. An diesem verwunschenen Ort mache ich Bekannschaft mit einem verzauberten Prinzen und auch der neben der Schleuse gelegene Rosengarten scheint mir die Kulissen eines Märchens zu sein. Dazu kommt diese leuchtende Stimmung, die es nur nach einem heftigen Regen gibt. Wir befinden uns hier im Herzen des Landes. Hier fühle ich mich wohl.

 

Köstlicher Erdbeerkuchen

Köstlicher Erdbeerkuchen © TA.SH

Nachtrag: Da ich den Cafébesuch verpasst habe, habe ich meinen Kollegen Edwin Süselbeck gebeten, mir ein Stück Kuchen mitzubringen. Mmmmmmmmmhhhhh! Frischer, buttrig zarter Mürbeteig, darauf eine leicht zitronige Quarkcreme bedeckt mit dicken, süßen Erdbeeren. Den esse ich auf, als ich schon wieder zuhause bin und die Bilder dieser Tage noch einmal Revue passieren lasse.

* Die, die auch die Nudeln erfunden haben: die Chinesen!
** Weil sie als Schiffskapitäne mit Navigationsinstrumenten wie Sechstanten und Oktanten in die Sonne blicken mussten, wodurch ein Auge chronisch entzündet war. Zur Beruhigung trugen sie die schwarze Klappe.
*** Auf der Helgoland!

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