Mit Fantasie durch tausend und ein Grün

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Eutin, das „Weimar des Nordens“, ist heute unser Ziel. Die Geburtsstadt des „Freischütz“-Komponisten Carl Maria von Weber bereitet sich auf die Landesgartenschau vor. Das Motto für die Landesgartenschau 2016: „Eins werden mit der Natur”. Bis zum nächsten Jahr wollen wir, meine Kollegin Andrea und ich, jedoch nicht warten; wir sind neugierig auf das, was Besucher hier ab dem Frühjahr 2016 erwartet, und nehmen an einer Baustellenführung teil.

Das Gartenschaugelände Eutin im Maßstab: 1:50000; © A24 LANDSCHAFT Landschaftsarchitektur GmbH.

Das Hinter-die-Kulissen-Gucken finden wir richtig spannend, denn die Pläne des Gartenschaugeländes lassen bereits erahnen, wie toll im nächsten Frühjahr alles aussehen wird. Den „Vorher-zum-Nachher-Wandel“ erleben Besucher ja eher selten. Von den fünf Bereichen des Geländes werden wir uns drei ansehen: den Süduferpark, das Bauhofareal und den Schlossgarten. Treffpunkt ist der Alte Forsthof. Hier erwartet uns Julia Schoenfeld, die das Marketing der Landesgartenschau Eutin betreut. „Sie brauchen ein bisschen Fantasie“, schmunzelt sie zu Beginn unserer Führung, und zeigt uns auf dem ausgedruckten Plan, wo wir stehen.

Unser erster Stopp: der barrierefreie Schiffsanleger im Süduferpark. „Barrierefreiheit ist für uns ein wichtiges Thema – und völlig selbstverständlich“, erklärt Julia Schoenfeld. Serpentinenartig schlängelt sich der Kiesweg mit leichter Neigung zum Bootsteg. Von hier aus gelangen Besucher per Schiffsshuttle zum Seepark – und nach einem Spaziergang über das 27 Hektar große Gartenschaugelände bequem und schnell zurück. Schöner Nebeneffekt: Vom Wasser aus eröffnet sich den Bootsinsassen ein toller Blick auf das bunte Treiben am Seeufer – und auf die Fasaneninsel, auf der einst die oldenburgischen Herzöge die farbenprächtigen Hühnervögel jagten.

Rhododendron und Rosen umrahmen die zukünftigen Friedhofsgärten.

Rhododendron und Rosen umrahmen die zukünftigen Friedhofsgärten. © TA.SH

Zurück am Alten Forsthof stoßen Landschaftsplanerin Stephanie Bolz und ihr Kollege Markus Ruthenberg zu uns. Vor der Zentrale des Landesgartenschau-Teams entstehen die Klein- und Friedhofsgärten, „typische Bestandteile einer jeden Gartenschau“, erklärt uns Frau Bolz. „Die Friedhofsgärten legen wir hier allerdings im vorhandenen Pflanzenbestand an, anders als bei anderen Gartenschauen. Sehen Sie den Rhododendron dort?“ Gegenüber des rosa blühenden Strauches ragen jahrhundertealte Baumriesen in den blauen Sommerhimmel. „Die alten Eichen haben wir vom Unterholz befreit – so kommen sie richtig gut zur Geltung“, erzählt sie.

Baustellenidyll: Weidenstämme, Torhäuser und Kuhstall.

Baustellenidyll: Weidenstämme, Torhäuser und Kuhstall. © TA.SH

Weiter geht’s zur Naturwiese. Dort haben Landschaftsgärtner bereits abgesägte Weidenstämme in den Boden gerammt. Ein Lehrpfad. Die ersten Triebe sprießen schon, „die Weidenruten nutzen wir später für Flechtworkshops mit Kindern“, erläutert Frau Bolz das Konzept der Naturfläche. Sie umfasst auch einen kleinen Amphibienteich, noch ohne Frösche und Lurche. Von hier aus haben wir einen schönen Blick auf den links entstehenden Wandererparkplatz, auf das brachliegende Areal der späteren Kulturgärten vor uns, die denkmalgeschützten Torhäuser und den ehemaligen Kuhstall in Richtung Schlossgarten.

Hier brauchen wir gar nicht mehr so viel Fantasie: Eine Baufirma saniert die beiden reetgedeckten Häuser, Landschaftsgärtner pflastern die Wege, der Kuhstall behält „seinen Charme“ und bekommt Schönheitskorrekturen. In den Gebäuden, die gegenüber der Festivalscheune der Eutiner Festspiele und nahe der Seebühne liegen, sind Veranstaltungsräume für 100 Personen und die Blumen- und Regionalmärkte geplant. Bei so viel Inspiration möchten die Besucher schließlich auch Pflanzen für den eigenen Garten mitnehmen!

Grün soweit das Auge reicht - das entspannt und macht glücklich! © TA.SH

Grün soweit das Auge reicht – das entspannt und macht glücklich! © TA.SH

Hinter den Torhäusern beginnt der historische Schlossgarten, der in das Gartenschaugelände einbezogen ist. Auf der Südseite entstehen demnächst Ruhezonen, zum Abschalten und Entspannen. Denn auch das gehört zum Eins werden mit der Natur: das Innehalten mitten im Grün. Wir sind auf dem höchsten Punkt im Schlossgarten angekommen.

Typisch Landschaftsgarten: Zufällig eröffnet sich ein Blick auf das Eutiner Schloss in der Ferne!

Typisch Landschaftsgarten: Zufällig eröffnet sich ein Blick auf das Eutiner Schloss in der Ferne! © TA.SH

Vom Monopteros aus, einem klassizistischen Rundbau mit Säulen, der als Staffagearchitektur zum englischen Landschaftsgarten gehört wie die weißen Brücken und geschwungenen Wege, haben wir einen tollen Blick auf die geplante „Lounge-Wiese“: Hier in der Sonne zu liegen, umgeben von Gänseblümchen, und in den Himmel zu schauen, das könnten wir uns jetzt gut vorstellen. Doch zum kurzen Ausruhen haben wir leider keine Zeit, denn weiter geht’s zur Großbaustelle Küchengarten.

Wird heute für Veranstaltungen genutzt: das historische Orangeriegebäude.

Wird heute für Veranstaltungen genutzt: das historische Orangeriegebäude. © TA.SH

Auf 1,8 Hektar entstehen hier Obst- und Gemüseflächen sowie Mitmachgärten für Schulen. Die Gartenmauer bietet den perfekten Anbauplatz für Rebstöcke, ein schöner Brückenschlag zur zukünftigen Weinbar, die hier Gäste mit edlen Tropfen verköstigen wird. Deutlich wird im Küchengarten die Verbindung von historischer und zeitgenössischer Garten- und Obstbautradition: Am Rande des Küchengartens steht der älteste Baum der Sorte Holsteiner Cox. Dieser Apfel wurde um 1900 hier in Eutin von Obstgärtner und Maler Johannes Vahldiek als „Sämling Nr. 3“ eines Cox Orange gezogen. Bis heute ist der später in „Holsteiner Cox“ umbenannte Apfel eine der Hauptanbausorten in Schleswig-Holstein.

An der Stelle des alten Gewächshauses werden Handwerker in Kürze die Showküche aufbauen. Hier soll frisch geerntetes Gemüse wie Spargel und Salat vor den Augen der Gartenschaubesucher frisch zubereitet werden. Da gibt’s bestimmt leckere Kostproben fürs Publikum  – und Tipps und Tricks von Köchen und Landfrauen zum Nachkochen für Zuhause. Klasse!

Bärlauch soweit das Auge reicht

Tausend und ein Grün: Der Blick auf den Eutiner See. © TA.SH

Bei so viel Eindrücken merken wir gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht: Nach eineinhalb Stunden sind wir bereits am Ende unserer Führung angelangt. Mit einem letzten Blick auf den Eutiner See, dessen Ufer riesige Pestwurzpflanzen säumen, und auf die Fasaneninsel biegen wir ab in Richtung Alter Forsthof.

Das offizielle Logo der Landesgartenschau Eutin 2016

Das offizielle Logo. © TA.SH

Beeindruckt von dem Gartenschaugelände und den Ideen, die hier umgesetzt werden, treten wir den Nachhauseweg an, voll Vorfreude auf 2016, wenn die Landesgartenschau am 28. April ihre Tore für Besucher öffnet – in Frühblüher-Pracht, mit tollen Gartenideen, Veranstaltungen und vielen Überraschungen für die erwarteten 600.000 Besucher.

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